Donnerstag , 29. Oktober 2020
Ein Unterstützer des bisherigen Präsidenten Andrzej Duda. Quelle: imago images/Eastnews

Kommt die Stichwahl? 30 Millionen Polen geben ihre Stimme ab

Mit einem verspäteten Wahltermin holt Polen die im Mai wegen der Corona-Pandemie abgesagte Präsidentenwahl nach. Amtsinhaber Duda liegt laut Umfragen vorn. Für eine glatte Wiederwahl in der ersten Runde wird es aber wohl nicht reichen.

Warschau. In Polen hat die Präsidentenwahl begonnen. Um das höchste Staatsamt bewerben sich elf Kandidaten. Amtsinhaber Andrzej Duda gilt in Umfragen als Favorit. An zweiter Stelle liegt der Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski. Eine Stichwahl der beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen in zwei Wochen gilt als wahrscheinlich.

Die Abstimmung sollte ursprünglich bereits am 10. Mai stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie war aber über den Wahltermin ein politischer Streit entbrannt. Schließlich wurde die Wahl kurzfristig verschoben. In den Wahllokalen gelten besondere Schutzvorschriften gegen eine Ausbreitung des Coronavirus. Die gut 30 Millionen Wahlberechtigten können bis 21 Uhr ihre Stimme abgeben.

Der seit fünf Jahren amtierende Duda präsentierte sich im Wahlkampf als Garant für den Erhalt der von der PiS-Regierung eingeführten Sozialleistungen. Der 48-Jährige betonte das traditionelle Bild der Familie, die Ehe für alle lehnt er ab. Mit homophoben Äußerungen hatte Duda kürzlich auch im Ausland für Empörung gesorgt. Er sagte über Schwule, Lesben, Bisexuelle und Trans-Menschen: “Man versucht uns einzureden, dass das Menschen sind. Aber es ist einfach nur eine Ideologie.”

Sein politischer Rivale Rafal Trzaskowski hat als Oberbürgermeister der Hauptstadt die sogenannte „LGBT+“-Charta unterschrieben, die sexuelle Minderheiten unterstützen soll. Im Wahlkampf hat er aber vermieden, dieses Thema in den Vordergrund zu stellen, um konservative Wähler nicht abzuschrecken. Im Falle eines Wahlsiegs will Trzaskowski die umstrittene Justizreform der PiS rückgängig machen, die Polen in einen Dauerclinch mit der EU gebracht hat.

Wegen der Corona-Epidemie gelten in den Wahllokalen besondere Schutzmaßnahmen. Nur eine begrenzte Zahl von Menschen darf sich gleichzeitig dort aufhalten. Wähler müssen außerdem einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten und Masken tragen. Diese dürfen nur bei der Überprüfung der Personalien abgenommen werden. Zusätzlich wurde die Option einer Briefwahl eingeführt. Die gut 30 Millionen Wahlberechtigten können bis 21 Uhr ihre Stimme abgeben.

RND/dpa