Samstag , 31. Oktober 2020
Reisende aus Gütersloh haben es aktuell besonders schwer. Quelle: Getty Images/David Inderlied/dpa/Montage RND

Urlauber aus dem Hotspot: Regelüberblick der Bundesländer

Viele Bundesländer reagieren auf den Corona-Ausbruch bei Tönnies in Nordrhein-Westfalen. Daraus folgt, dass sich die Urlaubsplanung für Bewohner der betroffenen Kreise schwieriger gestaltet. Folgend ein Überblick der aktuellen Regelungen der Bundesländer.

Der Corona-Ausbruch in den Kreisen Gütersloh und Warendorf hat für Hunderttausende Nordrhein-Westfalen drastische Konsequenzen. Viele Lockerungen wurden bis mindestens Ende Juni eingestampft und das öffentliche Leben wieder auf ein Minimum reduziert. Hinzu kommt, dass ausgerechnet zum Start der Sommerferien in NRW zahlreiche Bundesländer Beschränkungen für Urlauber aus sogenannten Hotspots verhängen – und die Urlaubsplanung somit komplizierter wird.

In vielen Bundesländern müssen auch die eigenen Bürger, wenn sie aus dem Kreis Gütersloh nach Hause kommen, in Quarantäne. Nur drei der 16 Bundesländer verzichteten bislang auf Maßnahmen. Ein Überblick.

Diese Bundesländer haben bereits Regelungen für Urlauber aus Corona-Risikogebieten beschlossen:

Baden-Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Hamburg Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Rheinland-Pfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein

Bayern reagierte auf die Zuspitzung der Corona-Lage in NRW am schnellsten. Seit Donnerstag gilt im Freistaat ein Beherbergungsverbot für Menschen aus besonders betroffenen Regionen. Die Regelung gilt für Kreise und kreisfreie Städte mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Dies betrifft laut Robert-Koch-Institut derzeit in Deutschland nur den Kreis Gütersloh (Stand 26.06./10.00 Uhr). Die Regelung für Gäste aus dem Kreis Warendorf, wo die Infektionen zurückgegangen sind, wurde wieder zurückgenommen.

Ausnahme mit “triftigem Reisegrund” in Bayern

In Bayern dürfen Bewohner der betroffenen Kreise nur dann Urlaub machen, wenn sie nachweisen können, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind – sprich einen negativen Test oder ein ärztliches Attest vorweisen können. Weitere Ausnahmen gibt es für Personen, “die zwingend notwendig und unaufschiebbar beruflich oder medizinisch veranlasst anreisen” oder die “einen sonstigen triftigen Reisegrund” nachweisen können wie den Besuch bei Familienangehörigen oder zur Pflege Schutzbedürftiger.

Auch Baden-Württemberg lässt Reisende aus dem nordrhein-westfälischen Corona-Risikogebiet nicht mehr im Land übernachten. Das Verbot bezieht sich auf Hotels, Gasthöfe und Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätze, Wohnmobilstellplätze und vergleichbare Einrichtungen.

Ausnahmen gelten laut der Corona-Lenkungsgruppe des Landes für Personen, die mit einem ärztlichem Attest belegen können, dass sie nicht infiziert sind. Ebenso sollen Ausnahmen möglich sein, wenn der Infektionsausbruch in einem Landkreis räumlich klar eingegrenzt werden kann.

Berlin und Brandenburg

Reisende aus sogenannten Risikogebieten in Deutschland müssen in Berlin für zwei Wochen in Quarantäne, wenn sie keinen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Das wurde am Freitag bekannt.

Auch Brandenburg hat ein Verbot für die Unterbringung von Menschen aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche beschlossen.

Hamburg und Hessen: Negativen Test vorweisen

Ab kommender Woche Mittwoch gilt für Besucher aus deutschen Corona-Hotspots auch in Hamburg ein Beherbergungsverbot. Ausgenommen sind Personen mit negativem Corona-Test. Hamburger, die aus deutschen Corona-Hotspots heimkehren, müssen zwei Wochen in häusliche Quarantäne, solange sie nicht nachweisen können, nicht infiziert zu sein.

In Hessen gilt das Beherbergungsverbot ab Samstag, auch dort sind Menschen mit negativem Corona-Test ausgenommen. Dieser darf nicht älter als zwei Tage sein. Ausnahmen gibt es auch für Gäste, deren Aufenthalt zwingend notwendig und unaufschiebbar beruflich oder medizinisch veranlasst ist. Auch Besuche eines engen Familienangehörigen oder Lebenspartners bleiben erlaubt.

“Nachträgliche Testung explizit nicht gestattet”

In Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen dürfen Menschen aus den Corona-Risikogebieten nur einreisen, wenn sie belegen können, dass sie innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise einen Corona-Test gemacht haben.

Auch in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz gilt dies – andernfalls müssen die Betroffenen unverzüglich nach der Einreise in ihre Wohnung oder in eine andere geeignete Unterkunft, um sich dort 14 Tage lang zu isolieren. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns betonte: “Eine Absonderung in der Beherbergungsstätte und eine nachträgliche Testung sind explizit nicht gestattet.”

Niedersachsen und Saarland

Das Urlaubsverbot für Menschen aus dem nordrhein-westfälischen Kreis Warendorf hat in Niedersachsen auch nach der Unterschreitung des Grenzwerts von 50 Neuinfektionen noch Gültigkeit. Das bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover am Freitag. Das Beherbergungsverbot solle erst aufgehoben werden, wenn der nordrhein-westfälische Kreis den Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zwei Wochen am Stück unterboten hat.

Ab Montag dürfen auch im Saarland keine Gäste mehr untergebracht werden, die aus einem Landkreis mit mehr als 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner kommen. Ausgenommen sind Gäste, die einen negativen Corona-Test vorlegen können, der nicht älter als zwei Tage ist. Besuche eines engen Familienangehörigen oder Lebenspartners bleiben erlaubt.

Sachsen und Sachsen-Anhalt

Auch in Sachsen soll es für Reisende aus den betroffenen Regionen nach dem Willen des Gesundheitsministeriums ein Beherbergungsverbot geben, falls die Reisenden keinen negativen Test vorweisen können. Ein endgültiger Beschluss lag am Freitag noch nicht vor.

In Sachsen-Anhalt dürfen einreisende Besucher aus Kreisen mit einem hohem Corona-Infektionsgeschehen vorerst nicht in Hotels oder auf Campingplätzen übernachten. Diese Regelung gelte ab Samstag, teilte das Landesverwaltungsamt als zuständige Behörde am Freitag in Halle mit. Wer aus den betroffenen Kreisen komme, könne ein ärztliches Zeugnis vorlegen, das einen negativen Test auf Covid-19 bescheinigt.

Urlaub nur mit einem negativen Corona-Test

Ein problemloser Urlaubsbeginn klappt also nur mit einem negativen Corona-Test. Bürger des Kreises Gütersloh können sich seit Donnerstagabend auch in einem Drive-in in einem stillgelegten Hubschrauberhangar kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.

Hier müssen jedoch längere Wartezeiten eingepreist werden. Bereits seit Mittwoch bildeten sich vor den Zentren in den Kreisen Warendorf und Gütersloh lange Schlangen von Menschen, die einen Corona-Test machen wollten, um mit einem negativen Ergebnis Sicherheit für einen bevorstehenden Urlaub zu haben.

Die bisherigen Ergebnisse brachten jedoch einen Hoffnungsschimmer: Von 2000 aktuellen Corona-Tests bei Menschen aus der Allgemeinbevölkerung sei nur einer positiv ausgefallen, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Gesundheitsausschusses des Düsseldorfer Landtags.

Am Donnerstagabend nannte der Kreis Gütersloh neuere Zahlen: Bis Donnerstag 15 Uhr seien 2521 Abstriche genommen worden. 1655 Befunde lägen vor. Davon sei einer klar positiv, zwei seien schwach positiv. Der Kreis zähle in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut diese schwach positiven Fälle mit. Damit seien es insgesamt drei positive Fälle.

RND/ka/dpa