Dienstag , 29. September 2020
Düsseldorfer Karnevalswagen mit Figuren der Konkurrenten um den CDU-Parteivorsitz (von links: Norbert Röttgen, Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn). Quelle: Federico Gambarini/dpa

Wettlauf um CDU-Spitze: Wie Laschet seine Favoritenrolle einbüßte

Eigentlich hätte der neue CDU-Chef schon längst feststehen sollen – doch die Corona-Pandemie hat alles über den Haufen geworfen. Statt im April soll die Wahl nun im Dezember stattfinden. Und auch das Teilnehmerfeld wurde ordentlich durcheinandergewirbelt.

Berlin. Es gibt nun also einen zweiten Anlauf. Für den Dezember ist der Parteitag vorgesehen, auf dem die CDU ihren neuen Parteivorsitzenden wählen soll. Und weil es noch immer Corona-Zeiten sind, spielen sie in der CDU-Zentrale schon alle möglichen Szenarien durch. Denn die Frage ist zunächst eine Organisatorische: Wie lassen sich mehrere Hundert Teilnehmer in einer Halle auf Abstand halten? Gäste und Presse aus der Halle verbannen oder gleich den ganzen Parteitag auf mehrere Hallen verteilen?

Es sind also noch einige weitere Hindernisse zu überwinden bis zur Wahl des neuen Vorsitzenden nach der überraschenden Rückzugsankündigung von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer – und nach einem Wettbewerb, der gleich nach seinem Start Ende Februar durch das Corona-Virus jäh gebremst wurde.

Der für Ende April angesetzte Sonderparteitag wurde abgesagt, und zumindest zwei der drei Kandidaten verschwanden von der Bildfläche: Für Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz und den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag und Ex-Umweltminister Norbert Röttgen war kein Platz auf der öffentlichen Bühne in Zeiten, in denen Virus-Infektionsraten und immer neue Schließungsideen im Fokus standen.

Ihr Konkurrent Armin Laschet dagegen war als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident fast täglich präsent: Er profilierte sich als Chef-Vertreter der schnellen Lockerungen. Er drängte auf Öffnung von Gottesdiensten und Geschäften und nahm damit früh die Bedenken des Wirtschaftsflügels und auch den Unwillen in Teilen der Bevölkerung auf. Er stellte sich damit gegen CSU-Chef Markus Söder und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auf mehr Vorsicht drängten. Söders Umfragewerte stiegen deutlicher als die von Laschet.

Wird die öffentliche Präsenz zum Nachteil?

Weil der Nordrhein-Westfale nach den Ansteckungsketten in Fleischfabriken in mehreren Regionen neue Lockdowns verkünden muss, wirkt sein Drängen nun voreilig. Öffentliche Präsenz kann auch ein Nachteil sein.

Laschet galt zu Beginn des Wettbewerbs als Favorit – ein Mann mit Regierungserfahrung, ein Vertreter eines gemäßigten Kurses zudem. Überdies hatte der als liberal geltende Laschet sich Gesundheitsminister Jens Spahn an seine Seite geholt, der sich in den vergangenen Jahren als Vertreter des konservativen Parteiflügels angeboten hatte und mit knapp 40 Jahren als Angebot an die jüngeren Parteivertreter gesehen werden konnte.

Der Wirtschaftsflügel der Partei sprach sich dennoch erneut für den über Jahre wie eine Ikone verehrten Merz aus. Er machte in der Corona-Zeit Schlagzeilen, weil er selbst am Virus erkrankte. Sein jahrelanger Ruf als Gegenmodell zu Kanzlerin Angela Merkel allerdings schliff sich ab: In Interviews stützte Merz weitgehend die Regierungspolitik.

Außenpolitiker Röttgen gilt in dem Wettbewerb weiterhin eher als Außenseiter.

CDU-Vorsitz: Was will Markus Söder?

Dass es nicht nur um den Parteivorsitz geht, macht die Sache nicht einfacher. Bei der Bundestagswahl 2021 wird Merkel nicht erneut als Spitzenkandidatin antreten. Ein neuer Kanzlerkandidat muss also her. Die Bewerbung um den CDU-Vorsitz gilt dafür als notwendiger erster Schritt.

Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur soll erst danach fallen. Und hier gibt es einen möglichen weiteren Konkurrenten: Auch CSU-Chef Markus Söder gilt in der Union wegen seiner guten Umfragewerte als denkbarer Kanzlerkandidat.

Söder hat ein Interesse bislang stets dementiert. Das hat Gründe: CSU-Kanzlerkandidaten sind bislang stets gescheitert. Zudem ist das reiche Bayern mit seiner dicken CSU-Mehrheit leichter zu regieren als regieren in einer Koalition in Berlin, in der Absprachen mit schwierigen Koalitionspartnern und allen Bundesländern nötig würden.

In der Union gilt es allerdings als denkbar, dass Söder sich einem lauten Rufen nicht widersetzen würde.

Der neue CDU-Vorsitzende wäre dann auf die Parteizentrale beschränkt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass auch nur einer der drei Kandidaten damit zufrieden wäre. Es könnte der Punkt sein, an dem Laschet doch noch seinem Teamkollegen Spahn den Vortritt lässt.

Die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen im Herbst, die sich auch als Stimmungstest für Laschet werten lässt, könnte zu einem entscheidenden Datum werden.

Von Daniela Vates/RND