Mittwoch , 30. September 2020
Wird die Rente im kommenden Jahr erhöht? Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Keine höhere Rente im nächsten Jahr? In der Krise wäre das fair

Fällt die Rentenerhöhung im kommenden Jahr aus? Der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung hat das bereits angedeutet. Im Sinne eines Ausgleichs zwischen den Generationen in der Corona-Krise wäre das zwar hart, aber auch fair. Die wirklichen Herausforderungen bei der Rente kommen erst noch, kommentiert Tobias Peter.

Berlin. Erfreuliche Nachrichten klingen anders. Im Westen Deutschlands könnte die übliche Rentenerhöhung im kommenden Jahr komplett ausfallen. Auch im Osten wird es voraussichtlich nur eine Minierhöhung geben. Entschieden ist zwar noch nichts, aber so hat es der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung schon mal angedeutet.

Die Corona-Krise bleibt nicht ohne Folgen: Millionen Menschen befinden sich in Kurzarbeit, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen, die Wirtschaft lahmt. Die Frage, ob und wie stark die Renten erhöht werden, orientiert sich unter anderem an der Lohnentwicklung. Bezugspunkt ist jeweils das Vorjahr. Deswegen sind die Renten – trotz Corona-Krise – gerade noch einmal kräftig erhöht worden. Das fand mancher seltsam. Die Erhöhung ging aber der Systematik der Rente nach völlig in Ordnung.

Die Regeln stehen fest

Nach denselben Regeln wird die Rentenerhöhung nun wohl im kommenden Jahr ausbleiben. Im Sinn eines fairen Ausgleichs zwischen den Generationen in der Krise ist das fair.

Dass die Renten im Osten voraussichtlich dennoch minimal steigen, lässt sich logisch erklären: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst. Eine wirklich spürbare Erhöhung wird es aber kaum sein. Immerhin gibt es für die Menschen im ganzen Land die Sicherheit, dass Rentenkürzungen durch eine Schutzklausel gesetzlich ausgeschlossen sind.

Der vor Kurzem verstorbene Norbert Blüm ist über viele Jahre für seinen Satz “Die Rente ist sicher” verspottet worden. Jetzt zeigt sich: Der Satz gilt noch immer – mindestens vorerst. Spätestens die nächste Bundesregierung wird sich aber Gedanken darüber machen müssen, wie sie die Rente angesichts des demografischen Wandels dauerhaft auf solidere Beine stellt. In dieser Frage liegt weit größerer politischer Sprengstoff als darin, dass es in der Krise einmal keine Rentenerhöhung gibt.

Von Tobias Peter/RND