Mittwoch , 28. Oktober 2020
Maschinen bleiben am Boden: Die Lufthansa ist von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Lufthansa-Aktionäre stimmen für Rettungspaket

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung haben sich die Aktionäre der Lufthansa für einen Einstieg des Bundes in das Unternehmen entschieden. Damit kann die Lufthansa das Rettungspaket in Höhe von rund neun Milliarden Euro in Anspruch nehmen.

Die Aktionäre der Lufthansa haben grünes Licht gegeben: Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten sie mehrheitlich für einen Einstieg des Bundes. Das bedeutet, der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) kann im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien im Wert von rund 300 Millionen Euro zeichnen, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Außerdem geplant sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro. Damit ist eine Insolvenz der Airline vorerst abgewendet.

Im Ringen um das staatliche Rettungspaket hatte die Lufthansa-Spitze den Druck auf die Aktionäre noch einmal erhöht. “Wir haben kein Geld mehr”, sagte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns. Ohne das Unterstützungspaket von neun Milliarden Euro hätte die Airline Kley zufolge “in den nächsten Tagen” die Insolvenz anmelden müssen. Nach der Annahme des Rettungsplans sagte Kley: “Wir schaffen das!”

Großaktionär Thiele verzichtet nach Kritik auf Blockade

Bei der ausschließlich im Internet übertragenen außerordentlichen Hauptversammlung verzichtete Großaktionär Heinz Hermann Thiele darauf, das Rettungspaket zu blockieren. Wegen der schwachen Beteiligung der übrigen Stimmrechtsinhaber mit einer Präsenz von 39,3 Prozent hätte er mit seinem Aktienanteil von mindestens 15,5 Prozent Gelegenheit zu einer Blockade gehabt. Im Vorfeld hatte sich der Selfmade-Milliardär sehr kritisch über den seiner Meinung nach zu starken Staatseinfluss geäußert.

Schon im Vorfeld der Hauptversammlung hatte auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr an die Anleger appelliert: “Wir bitten Sie um die Zustimmung, das bedeutet nichts weniger als die Zustimmung zur Rettung der deutschen Lufthansa. Ohne das Stabilisierungspaket droht uns juristisch die Zahlungsunfähigkeit.” Gleichzeitig räumte er ein: “Das Stabilisierungspaket ist kein Geschenk. Wir werden für die Rückzahlung der Kredite hart arbeiten müssen. Wir werden die Personalkosten deutlich senken müssen und benötigen in allen Bereichen Restrukturierungsmaßnahmen.”

Am Morgen hatte die EU-Kommission dem Rettungsplan zugestimmt. Als Bedingung setzten die Wettbewerbshüter durch, dass Lufthansa in München und Frankfurt jeweils 24 Start- und Landerechte an Wettbewerber abgeben muss. Die zuständige Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager erklärte dazu: “Dadurch erhalten konkurrierende Luftverkehrsunternehmen die Möglichkeit, in diese Märkte einzutreten, wodurch faire Preise und eine größere Auswahl für die europäischen Verbraucher gewährleistet werden.” Konkurrent Ryanair kündigte dennoch eine Klage gegen die Beihilfe an.

Lufthansa war durch Corona-Krise in Nöte geraten

Notwendig sind die Hilfen für die Lufthansa, weil die Corona-Pandemie die Geschäfte des Unternehmens mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht hat. In dem Konzern mit rund 138.000 Beschäftigten stehen deswegen Zehntausende Arbeitsplätze auf der Kippe. Der weltweite Personalüberhang wurde zuletzt auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland.

Schon in der Nacht hatte sich das Unternehmen und die Gewerkschaft Ufo auf ein Krisenpaket für die Flugbegleiter mit Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro geeinigt. Das Paket umfasst laut Ufo einen vierjährigen Kündigungsschutz sowie ein Einsparvolumen von über einer halben Milliarde Euro bis Ende 2023. Die Lufthansa teilte mit, unter anderem würden Vergütungsanhebungen ausgesetzt sowie die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung zeitweise reduziert.

RND/dpa/ang