Mittwoch , 21. Oktober 2020
Bundesinnenminister Horst Seehofer. Quelle: Getty Images

Horst Seehofer lag daneben – ein Teil der Linken aber auch

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollte wegen eines menschenverachtenden Textes in der “tageszeitung” Anzeige gegen die Autorin erstatten. Darauf verzichtet er nun – und zwar zu Recht. Für Triumphgeheul der Linken besteht dennoch kein Anlass, kommentiert Markus Decker.

Vier Tage nach der von Horst Seehofer angekündigten Strafanzeige gegen eine Kolumnistin der “tageszeitung” (taz) geschieht, was geschehen musste: Er verzichtet.

Stattdessen will der Bundesinnenminister von der CSU nun die Chefredaktion des Blattes zum Gespräch bitten. So geht ein unrühmlicher Konflikt fürs Erste zu Ende.

Seehofers Vorstoß mit der Strafanzeige war von vornherein fragwürdig.

Es macht eben einen Unterschied, ob Otto Normalbürger mit juristischen Mitteln gegen die Presse vorgeht oder ein Mitglied des Bundeskabinetts. Ohnehin dürfte der Text von der Pressefreiheit gedeckt sein.

Und dass Seehofer die Strafanzeige ausgerechnet in der “Bild”-Zeitung ankündigte, nahm ihr jede moralische Glaubwürdigkeit. Sie kassiert schließlich vom Deutschen Presserat eine Rüge nach der anderen. Seehofer hätte das alles wissen können. Dass die Kanzlerin ihn wie einen Schuljungen daran erinnern muss, ist eines 70-Jährigen unwürdig.

Die Einladung der Chefredaktion des Blattes zum Gespräch ins Ministerium ist keine Alternative. Denn sie wirkt wie eine Demütigung. Die Chefredaktion kann das nur ablehnen.

Seehofer sollte sich mit allen Perspektiven auseinandersetzen

Besser wäre es, wenn Seehofer Polizisten und Menschen mit Migrationshintergrund mal in sein Haus bäte. Beide haben offenkundig unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt. Die Kombattanten müssen raus aus ihren Schützengräben.

Nötig ist ein Gespräch, das diesen Namen verdient. Allein dann ist Besserung denkbar. Freilich hat die politische Linke keinen Anlass für triumphierende Gesten. Der Text in der “taz”, notdürftig zur Satire deklariert, war menschenverachtend. Da hat Seehofer recht.

Linke sollte Polizei nicht als Feind betrachten

Er konnte von Polizisten nur als Verletzung ihrer Würde verstanden werden und legte erneut bloß, als was Teile der Linken die Polizei immer noch sehen: als Feindbild. Damit muss, wenn ein Gespräch gelingen soll, endlich Schluss sein.

Von Markus Decker/RND