Samstag , 19. September 2020
Zwei Männer im Wahlkampf: US-Präsident Donald Trump und Polens Präsident Andrzej Duda. Quelle: imago images/MediaPunch

US-Truppen nach Polen? “Wenig nachvollziehbar”

Politiker aus Union und FDP üben scharfe Kritik an den Plänen von US-Präsident Donald Trump. Die Verlagerung eines Teils der in Deutschland stationierten Soldaten sei wahltaktisch motiviert, vermutet der CDU-Politiker Wadephul. Die FDP-Verteidigungsexpertin Strack-Zimmermann wirft der US-Regierung Unkenntnis vor.

Berlin. Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Johann Wadephul hat die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, einen Teil der US-Streitkräfte aus Deutschland nach Polen zu verlegen, kritisiert.

“Die Ankündigung der Verlegung von 1000 Soldaten nach Polen ist undramatisch, wenn auch wenig nachvollziehbar”, sagte der CDU-Verteidigungsexperte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Wadephul deutet den Schritt des US-Präsidenten als wahltaktisches Manöver. “Offenbar soll in Wahlkampfzeiten Handlungsfähigkeit gezeigt werden”, sagte er und beklagte: “Die Tonalität des US-Präsidenten schadet dem Gemeinsinn im Bündnis.”

Zugleich appellierte Wadephul an die Solidarität Polens. “Ich hoffe, dass allen polnischen Politikern klar ist, dass unsere beiden Länder am Ende im gleichen Boot sitzen. Wir sollten uns von niemanden spalten lassen”, sagte Wadephul dem RND.

Auch die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann übte scharfe Kritik an den Plänen des US-Präsidenten. “Donald Trump und sein treuester Fan, der ehemalige US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, möchten Deutschland mit dem Truppenabzug von US-Soldaten gerne eins auswischen. Dabei beweisen sie nur, dass sie außen- und sicherheitspolitische Zusammenhänge und das NATO-Bündnis nicht verstehen”, sagte Strack-Zimmermann dem RND.

Strack-Zimmermann zufolge schadeten sich die USA mit diesem Schritt selbst. “Der Rückzug von US-Soldaten wäre nicht nur für Deutschland schlecht, sondern insbesondere auch für die USA selbst. Deutschland ist für die Logistik und die medizinische Versorgung der US-Streitkräfte ein bedeutender Standort”, sagte sie.

Deutschland sei aufgrund seiner Lage ein Dreh- und Angelpunkt für die US-Streitkräfte, besonders für Einsätze im Nahen und Mittleren Osten. “Das wäre an anderen europäischen Standorten nicht gegeben. Mit einem Abzug aus Deutschland und einer Verlegung der US-Streitkräfte würde Donald Trump seiner eigenen Armee schaden und die eigene nationale Sicherheit gefährden”, sagte die FDP-Politikerin dem RND.

US-Präsident Trump will mit dem von ihm geplanten Teil-Abzug von Soldaten aus Deutschland unter anderem die amerikanischen Truppen in Polen verstärken.

Trump bekräftigte im Weißen Haus bei einer Pressekonferenz mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda, die Präsenz der US-Soldaten in Deutschland solle auf 25 000 reduziert werden. Trump begründete das erneut mit seiner Ansicht nach mangelnden Verteidigungsausgaben Deutschlands.

Im Moment sind etwa 34.500 US-Soldaten in Deutschland stationiert.

 

Von Marina Kormbaki/RND