Dienstag , 29. September 2020
Wegen eines Corona-Ausbruchs bei Tönnies sind im Kreis Gütersloh wieder Corona-Beschränkungen erlassen worden. Quelle: Getty Images

Reisestopp für Lockdown-Gebiete: Hart, aber notwendig

Die Gesundheitsminister der Länder haben sich nicht auf eine einheitliche Linie einigen können, wie mit Reisenden aus den Corona-Hotspots umgegangen werden soll. Nun entsteht – wieder einmal – ein Flickenteppich. Dabei sind bundesweit strenge Regeln nötig, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.

Berlin. Da ist er wieder: der unsägliche Flickenteppich. Die Gesundheitsminister der Länder haben sich nicht auf einen einheitlichen Umgang mit Reisenden aus den Lockdown-Kreisen einigen können. Dabei muss es doch eine Lehre aus den ersten Pandemiemonaten sein, dass staatliche Beschränkungen dann wirkungsvoll sind und eine hohe Akzeptanz haben, wenn sie bundesweit gelten.

Beschluss von Anfang Mai

Hinzu kommt: Der Beschluss von Bundesregierung und Ministerpräsidenten, bei Überschreitung der Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage einen Lockdown zu verhängen, stammt von Anfang Mai. Es ist blamabel, dass es die Politik bis heute nicht geschafft hat, die Problematik der Reisenden aus den betroffenen Gebieten eindeutig zu regeln. Mobilität ist schließlich kein Randaspekt einer Pandemieausbreitung.

Wir erinnern uns an die beiden Epizentren zu Beginn der Pandemie: Die “Superspreader” waren der österreichische Skiort Ischgl und der Karneval im Rheinland. Es waren Reisende, die sich dort ansteckten und das Virus in ihre Heimatorte brachten. Reisebeschränkungen sind daher unausweichlich, etwa durch Quarantänemaßnahmen oder vorgeschriebene Negativtests.

Das erneute Herunterfahren des öffentlichen Lebens trifft die Menschen hart, und nun müssen sie auch noch Ostsee oder Alpen gegen Balkonien eintauschen? Sie sind zu Recht sauer, zumal der Ausbruch nicht auf ihr eigenes Verhalten zurückzuführen ist, sondern auf ein perverses System einer ausbeuterischen Fleischindustrie, die ganz Deutschland mit billigen Produkten versorgt.

Solange es keine einheitlich Regelung gibt, sollte Fairness gelten: Mithilfe von genügend Testcentern sollten Wartezeiten auf ein Minimum verkürzt werden. Und wer bereits im Urlaub ist, darf selbstverständlich nicht nach Hause geschickt werden. Eine kurze Quarantäne, bis ein sofort zur Verfügung gestellter Test Entwarnung gibt, muss ausreichen.

RND

Von Tim Szent-Ivanyi/RND