Samstag , 19. September 2020
Wegen der Corona-Pandemie gehen nur noch wenige US-Bürger in die Wahlkabine, sondern geben ihre Stimme per Briefwahl ab. (Symbolbild) Quelle: Timothy D. Easley/AP/dpa

Corona: Viele US-Bürger entscheiden sich für Briefwahl – und verzögern Ergebnisse

Wegen der Corona-Pandemie stimmen in einigen US-Wahlkreisen mehr als 50 Prozent der Wähler per Briefwahl ab. Bleibt dieser Trend bestehen, könnte es auch bei der Wahl im November Tage dauern, bis ein Sieger feststeht.

Louisville. Wegen der hohen Zahl an Briefwählern hat sich bei Vorwahlen um Kongresssitze in den USA die Bekanntgabe der Ergebnisse verzögert. In mehreren Wahlkreisen wurde erst kommende Woche mit einer Entscheidung gerechnet, wenn alle Briefwahlstimmen ausgezählt sein müssen.

Unter anderem in Kentucky und in New York hieß es, dass vermutlich mehr als die Hälfte der Wähler vor der Wahl am Dienstag auf diese Weise ihre Stimme abgegeben hätten. Beobachter werteten die Verzögerungen als Vorboten für die eigentliche Wahl im November. Auch dann könnten die Sieger in engen Rennen erst eine Woche später feststehen.

Keine Entscheidung, wenn auch eine Tendenz gab es in der demokratischen Vorwahl um den 16. New Yorker Kongressbezirk. Dort zeichnete sich ein möglicher Sieg eines politischen Newcomers gegen einen etablierten Parteipolitiker ab.

Der Afroamerikaner Jamaal Bowman kam nach einer teilweisen Auszählung auf 61 Prozent der Stimmen, Eliot Engel, Vorsitzender im Außenausschuss im Repräsentantenhaus, auf 36 Prozent. Für Engel wäre es bei einem Sieg die bereits 17. Amtszeit.

Sieger der US-Vorwahlen stehen Ende Juni fest

Auch in Kentucky hoffte mit Charles Booker ein junger Afroamerikaner – beflügelt von den jüngsten Protesten gegen Rassismus – auf einen Sieg gegen eine weiße Kandidatin des Parteiestablishments. Aber auch sein Rennen um die Kandidatur für den Senat gegen die ehemalige Kampfpilotin Amy McGrath dürfte erst am 30. Juni entschieden sein, wenn die Ergebnisse der Briefwahlstimmen vorliegen.

Der Sieger aus dieser Vorwahl wird dann im November gegen den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, antreten, der sich in seiner Vorwahl am Dienstag durchsetzen konnte.

In Kentucky stimmten in früheren Wahlen um die zwei Prozent der Wähler per Briefwahl ab. Bei der Vorwahl am Dienstag wurde mit über 50 Prozent gerechnet, eine ähnliche Größenordnung wurde in New York erwartet.

Trumps Wunschkandidaten scheitern bei Vorwahlen der Republikaner

Die US-Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die 2018 als krasse Außenseiterin ebenfalls über eine Vorwahl in den Kongress gekommen war, konnte ihre Herausforderin um den Sitz der Demokraten im 14. Kongressbezirk besiegen. Michelle Caruso-Cabrera, eine frühere Moderatorin beim Sender CNBC, war bis vor wenigen Jahren noch als Republikanerin registriert.

In zwei republikanischen Vorwahlen scheiterten am Dienstag die Wunschkandidatin von Präsident Donald Trump. Die Immobilienmaklerin Lynda Bennett unterlag in North Carolina dem erst 24-jährigen Investor Madison Cawthorn, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt.

Bis sich der nächste Kongress konstituiert, wird Cawthorn das Mindestalter für einen Abgeordneten von 25 Jahren erreicht haben. Er kandidiert für den Sitz von Mark Meadows, der Stabschef im Weißen Haus wurde.

In Kentucky gewann der Abgeordnete Thomas Massie, der immer wieder mit Trump aneinandergeraten war, gegen dessen Kandidaten Todd McMurtry.

Auch weitere Vorwahlen für das Präsidentenamt fanden am Dienstag statt, sie waren jedoch reine Formalität. Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden und Trump gewannen in Kentucky, Biden zusätzlich auch in New York. Biden wird bei einem für Ende August geplanten Parteitag formal zum Herausforderer von Präsident Trump gekürt.

RND/AP