Donnerstag , 24. September 2020
Polizisten stehen im Hambacher Wald vor einer von Umweltaktivisten gebauten Plattform. Quelle: Marius Becker/dpa

Einsatzwege versperrt: Polizei räumt Barrikaden im Hambacher Forst

Der Hambacher Forst hat sich zu einem Symbol für den Kampf von Klimaschützern gegen die Kohlebranche entwickelt. Eigentlich müsste der Konflikt entschärft sein, weil der Kohle-Kompromiss vorsieht, den Wald zwischen Köln und Aachen zu erhalten. Dennoch hat nun wieder eine größere Polizeiaktion begonnen.

Kerpen. Die Polizei hat am Dienstag einen Einsatz im Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen begonnen. Es gehe dabei nicht um die Räumung von Baumhäusern, sondern von Barrikaden, die die Einsatzwege versperrten, sagte ein Polizeisprecher.

Wenn das reibungslos verlaufe, werde die Aktion relativ schnell wieder zu Ende sein. “Sollte es im Laufe des Einsatzes zu Straftaten kommen, müssen wir diese natürlich konsequent verfolgen.” Dann könne sich der Einsatz auch über den ganzen Tag hinziehen.

Waldbesetzer hätten teilweise bis zu 15 Meter hohe Strukturen aus Baumstämmen mit Plattformen auf den Waldwegen errichtet. Dies könne die Polizei nicht hinnehmen, da die Wege für Rettungsfahrzeuge frei bleiben müssten. “Da das ein öffentlich zugänglicher Wald ist, müssen wir da auch Streife fahren können”, sagte der Polizeisprecher. Er betonte, dass der Einsatz mit dem Energiekonzern RWE nichts zu tun habe.

Aktivisten bauen 100 neue Baumhäuser

Die Zahl der Waldbesetzer schwankt nach Polizeiangaben stark, bewegt sich aber ungefähr um die Marke von 100 Personen. Sie kämen aus einem breiteren politischen Spektrum, unter anderem aus der anarchistischen und aus der Umweltszene.

Sie haben an die 100 neue Baumhäuser gebaut. Diese reichen von einfachen Konstruktionen aus Paletten und Planen bis zu mehrstöckigen Hütten mit Fenstern, Dächern und Solartechnik. Bei dem Einsatz am Dienstag solle aber nicht gegen Baumhäuser vorgegangen werden, betonte der Polizeisprecher.

Der Wald am Tagebau Hambach zwischen Köln und Aachen sollte ursprünglich für den fortschreitenden Tagebau gerodet werden. Dabei entwickelte sich der Wald zu einem Symbol für den Kampf von Klimaschützern gegen die Kohlebranche.

Wald soll erhalten bleiben

In einem der größten Polizeieinsätze der nordrhein-westfälischen Geschichte wurde der Wald im Herbst 2018 geräumt. 86 Baumhäuser wurden zerstört. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) argumentierte, es dürfe keinen rechtsfreien Raum geben.

Schließlich verständigten sich Bund, Länder und Energiekonzerne jedoch Anfang dieses Jahres im Zuge der Kohle-Einigung darauf, dass der Wald doch erhalten bleiben soll. Die Aktivisten des Anti-Kohle-Bündnisses “Ende Gelände” bezeichneten dies als Erfolg des zivilen Ungehorsams. Sie lehnten es jedoch ab, sich aus dem Wald zurückzuziehen.

RND/dpa