Armin Laschet bei einem Pressestatement am Freitag. (Archvibild) Quelle: imago images/Future Image

Laschet nach Corona-Ausbruch bei Tönnies: Kein flächendeckender Lockdown

Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies ist die Lage im Landkreis Gütersloh ernst. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich an diesem Sonntag vor Ort informiert. Er kommt zu dem Schluss: Vorerst sei kein Lockdown nötig.

Gütersloh/Berlin. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies vorerst keinen Lockdown für den Landkreis Gütersloh verkündet. “Wir können keinen flächendeckenden Lockdown ausschließen”, aber solange es gelinge, dass die Infektionen nicht übersprängen auf den Rest der Bevölkerung, sei das nicht nötig.

Es gebe zwar ein enormes Pandemierisiko. Aber: “Nach den heutigen Gesprächen gilt weiterhin, dass das Geschehen klar lokalisierbar ist. Es hat keinen Übersprung auf den Rest der Bevölkerung gegeben”, sagte Laschet.

Fast 7000 Reihentestungen seien abgeschlossen worden. Damit seien alle Mitarbeiter der Fleischfabrik Tönnies getestet worden. Nach den Testungen müssten nun die Quarantäneregeln klar durchgesetzt werden.

“Unvermindert größtes einzelnes Infektionsgeschehen”

Denn, so Laschet: “Wir haben es hier mit dem unvermindert größten einzelnen Infektionsgeschehen zu tun.” Es gebe gebündelt explodierende Zahlen, die ganz eng mit der Fleischindustrie zusammenhingen.

Laschet warnte die Arbeiter aus anderen Ländern vor einer überstürzten Abreise in ihre Heimat. Im Fall einer Infizierung bekämen die Arbeiter die “bestmögliche medizinische Behandlung” in Deutschland, sagte der CDU-Politiker. Das liege auch im eigenen Interesse der Arbeiter. Es würden nun in unbegrenzter Größenordnung so viele Dolmetscher wie möglich in die Unterkünfte der Beschäftigten geschickt. Das Problem sei, dass diese auf 1300 Liegenschaften verteilt seien. Drei Hundertschaften der Polizei unterstützten die Ordnungsämter dabei, die Quarantäne durchzusetzen.

Laschet nimmt Tönnies in die Pflicht

Laschet nahm zudem Unternehmer Clemens Tönnies in die Pflicht. “Wir werden auch Herrn Tönnies beim Wort nehmen, dass er gesagt hat, es kann keinen Zustand geben wie zuvor. Wir brauchen neue Regeln, neue Bedingungen – und das ist auch das, was wir vom Unternehmen erwarten”, sagte Laschet (CDU) am Sonntag in Gütersloh.

Zu einer Aussage von Clemens Tönnies, das Unternehmen habe aus datenschutzrechtlichen Gründen den Behörden nicht die Wohnadressen aller Mitarbeiter nennen können, sagte Laschet: “Wir müssen einen Zustand herstellen – gerade als Lehre aus der Pandemie –, dass zu jeder Zeit feststellbar ist: Welcher Mitarbeiter arbeitet im Unternehmen und wo wohnt er”, sagte Laschet. In dieser Frage gebe es im Moment verschiedene Rechtsauffassungen. Gegebenenfalls müssten Gesetze entsprechend geändert werden.

Er sei nach den Gesprächen im Krisenstab trotzdem guter Dinge, so Laschet. Er appellierte aber an alle im Kreis Gütersloh: “Achten Sie auf Abstand, auf die Masken. Vermeiden Sie große Veranstaltungen. Veranstaltungen über 50 Teilnehmer sollten in der nächsten Zeit – wenn es geht – nicht stattfinden.” Jeder Einzelne könne jetzt seinen Beitrag dazu leisten, “dass wir auch durch diese Krise kommen”.

Mittlerweile 1331 Infizierte

Wegen des Corona-Ausbruchs hatte sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vor Ort über die Lage informiert. Der Regierungschef nahm am Vormittag zusammen mit Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) an einer Sitzung des Krisenstabs im Kreis Gütersloh teil. An der Sitzung nahmen nach Angaben des Kreises auch Vertreter der Botschaften Rumäniens, Polens und Bulgariens teil.

Am Mittag war das CDU/FDP-Landeskabinett in Düsseldorf zu einer Sondersitzung zusammengetreten. Laschet wurde dem Vernehmen nach per Video zugeschaltet.

Am Sonntagnachmittag hatte die Zahl der positiv getesteten Tönnies-Mitarbeiter in der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück bei 1331 gelegen.

RND/dpa/cz