"Die Eindämmung des Virus wird verschleppt": Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte. Quelle: imago images/Reiner Zensen

Lauterbach: “Die Lage bei Tönnies ist brandgefährlich”

SPD-Gesundheitsexperte fordert einen sofortigen regionalen Lockdown, um den Corona-Ausbruch in Gütersloh einzudämmen. Der Sozialdemokrat wirft dem Fleischproduzenten Tönnies mangelnden Willen zur Zusammenarbeit vor. Die Bänder in der Fleischfabrik müssten umgehend stillstehen.

Berlin. Angesichts des heftigen Corona-Ausbruchs beim Fleischproduzenten Tönnies verlangt der SPD-Gesundheitsexperte Karl-Lauterbach die umgehende Verhängung eines regionalen Lockdowns durch den Landkreis Gütersloh.

“Bund und Länder haben Kontakt- und Ausgehbeschränkungen für den Fall von mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche bei 100.000 Einwohnern vereinbart. Wann soll diese Regelung zur Anwendung kommen wenn nicht jetzt im Landkreis Gütersloh?”, sagte Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

“Die Quarantäne der Beschäftigten kann nicht sauber überwacht werden, es fehlen Adressen Betroffener und das Unternehmen zeigt sich wenig kooperativ”, beklagte der SPD-Bundestagsabgeordnete.

Lauterbach forderte die Stilllegung der Fleischproduktion. “Der Betrieb müsste stillstehen, bis akzeptable Hygienebedingungen herrschen”, so Lauterbach. “Ich halte die Situation für brandgefährlich; die Eindämmung des Virus wird verschleppt”, sagte der Sozialdemokrat. “Es muss in dem Betrieb erhebliche Verstöße gegen Hygieneregelungen gegeben haben. Andernfalls wäre ein Ausbruch in dieser Größenordnung undenkbar”, sagte Lauterbach.

Er rief die Führung des Fleischkonzerns Tönnies zur Zusammenarbeit auf: “Volle Kooperation ist angesichts dieser vollkommen unkalkulierbaren Gefährdungslage das Mindeste”, sagte Lauterbach dem RND.

Der Kreis Gütersloh und der Arbeitsschutz haben sich in der Nacht zum Samstag Zugriff auf die Personalakten der Firma Tönnies verschafft. “Das Unternehmen hatte es nicht geschafft, uns alle Adressen zu liefern”, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) am Samstag bei einer Pressekonferenz in Gütersloh. Daraufhin seien die Behörden am Freitagabend in die Konzern-Zentrale gegangen. Jetzt liegen 1300 Adressen von Wohnungen allein für den Kreis Gütersloh vor, wie der CDU-Politiker sagte.

Bis Samstag stieg die Zahl erfasster Neuinfektionen auf deutlich über 1000. Für viele Mitarbeiter des Schlachtunternehmens Tönnies standen noch Tests aus. Alle rund 6500 Tönnies-Mitarbeiter am Standort Rheda-Wiedenbrück mussten mitsamt allen Haushaltsangehörigen in Quarantäne.

 

Von Marina Kormbaki/RND