Montag , 21. September 2020
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt sich für eine Tierwohlabgabe für bessere Haltungsbedingungen in der Fleischindustrie ein. Quelle: imago images/IPON

“Fleisch ist zu billig”: Klöckner setzt sich für Tierwohlabgabe ein

Der Corona-Ausbruch in dem NRW-Schlachtbetrieb Tönnies feuert die Debatte um die Fleischindustrie an. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner spricht sich nun für faire Preise aus. Und stimmt damit einem Expertenteam zu.

Berlin. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat den Preiskampf bei Fleisch kritisiert und sich für eine Tierwohlabgabe ausgesprochen, um bessere Haltungsbedingungen mitzufinanzieren. „Fleisch ist zu billig“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Faire Preise und Förderungen ermöglichten Landwirten Stallumbauten. “Wenn aber Fleischindustrie und Handel immer stärker auf den Preis drücken, dann schaffen das die Tierhalter nicht.” Deshalb gelte es, den Landwirten zu helfen, dass sie die Kosten für Stallumbauten stemmen könnten.

Nicht zuletzt der massive Coronavirus-Ausbruch in dem Schlachtbetrieb Tönnies hat die Diskussionen um die Bedingungen in der Fleischindustrie wieder angefeuert. So will auch NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Essen (CDU) mit einer Bundesratsinitiative Dumpingangebote beim Fleisch unterbinden. “Es gibt haarsträubende Sonderaktionen, bei denen Fleisch deutlich unter seinem Wert verkauft wird. Das müssen wir stoppen”, sagte sie der “Rheinischen Post”.

Klöckner hingegen setzt auf eine Tierwohlabgabe, die von einer Expertenkommission empfohlen wird. “Auch für die Verbraucher wird sich etwas ändern müssen. Dabei soll Fleisch kein Luxusprodukt für Reiche werden. Aber auch keine Alltagsramschware.”

Bundestagsfraktionen wollen Preiserhöhung für Fleisch

Eine Kommission unter Leitung des früheren Agrarministers Jochen Borchert hatte im Februar Empfehlungen vorgelegt, um das Tierwohl in der Nutztierhaltung zu verbessern. Zur Finanzierung schlägt sie eine Tierwohlabgabe auf tierische Produkte vor, die aber mit Blick auf Haushalte mit geringeren Einkommen sozialpolitisch flankiert werden sollte.

Konkret schlagen die Experten dabei einen Preisaufschlag von 40 Cent pro Kilo Fleisch, zwei Cent pro Kilo Milch und pro Ei sowie 15 Cent für ein Kilo Käse oder Butter vor.

Bereits im Vorfeld hatte die “Neue Osnabrücker Zeitung” darüber berichtet, dass sich die Bundestagsfraktionen von Union und SPD auf eine Preiserhöhung für Fleisch, Milch und Eier geeinigt haben. Die Fraktionen wollen der Regierung demnach nun eine entsprechende Umsetzungsstrategie vorlegen. Grundlage dafür ist ebenfalls das Gutachten der Expertengruppe um Borchert.

RND/dpa/lz