Mittwoch , 30. September 2020
Klimaaktivistin Greta Thunberg findet, der Umgang mit der Klimakrise sollte ähnlich sein, wie die Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie. Quelle: imago images/TT

Thunberg sieht Reaktion auf Corona als Vorbild für den Umgang mit der Klimakrise

Klimaaktivistin Greta Thunberg lobt den weltweiten Umgang mit der Corona-Pandemie. Das sei ein gutes Beispiel dafür, wie man auf einen Notfall reagieren müsse. Ähnlich sollte auch mit der Klimakrise umgegangen werden.

Berlin. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg betrachtet die weltweite Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie als Vorbild für den Kampf gegen den Klimawandel. „Während der Corona-Krise haben wir alle plötzlich mit notwendigen Wucht reagiert“, sagte Thunberg im schwedischen Rundfunk.

Langfristig werde die Pandemie zwar keine Auswirkungen auf den Klimawandel haben, doch sie zeige, wie man einen dringenden Notfall wahrnehmen und auf ihn reagieren müsse.

Thunberg nennt Gesellschaft “eine große Nudistenparty”

In Sachen Klimaschutz warf Thunberg Regierungen und Unternehmen vor, auf kreative Buchführung statt auf konkrete Schritte zu setzen. „Die Kaiser sind nackt, jeder Einzelne von ihnen“, sagte die 17-Jährige in Anspielung das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. „Es zeigt sich, das unsere ganze Gesellschaft nur eine große Nudistenparty ist.“

Thunberg sagte unter Verweis auf einen UN-Bericht, weltweit könne der Ausstoß von Kohlendioxid nur noch siebeneinhalb Jahre auf dem derzeitigen Niveau bleiben, sonst sei das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel nicht mehr zu erreichen, nach dem die weltweite Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert um weniger als zwei Grad Celsius steigen soll – besser nur 1,5 Grad.

“Erinnern Sie sich an Olympischen Spiele in London, “Gangnam Style” oder den ersten Film der “Tribute von Panem”?”, fragte Thunberg. “Diese Sachen sind alle vor sieben oder acht Jahren passiert.” Und das sei der Zeitraum, der jetzt noch bleibe.

Klimaaktivistin kritisiert auch Umgang von Journalisten

Ihre Reise in die USA und zurück im vergangenen Jahr habe ihr die Augen für die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten geöffnet, sagte Thunberg, die mit einem Schulstreik die Fridays-for-Future-Demonstrationen in Gang gesetzt hatte.

“Die Klima- und Nachhaltigkeitskrise ist keine faire Krise”, sagte sie. “Diejenigen, die am härtesten von ihren Folgen getroffen werden, sind oft diejenigen, die am wenigsten getan haben, um das zugrundeliegende Problem auszulösen.” Das betreffe insbesondere Minderheiten, indigene und Schwarze.

Thunberg kritisierte Journalisten, die sie nach der „echten Greta“ ausfragten, ihr aber ins Wort fielen, wenn sie über wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel spreche. „Sie wollen, dass ich naiv, zornig, kindisch und emotional bin“, sagte sie. „Das ist die Geschichte, die sich verkauft und die meisten Klicks produziert.“

Umweltministerin erwartet Schub für den Klimaschutz

Während Greta Thunberg allerdings nicht mit langfristigen Auswirkungen auf die Klimakrise rechnet, erwartet Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) einen Schub für den Klimaschutz durch Wirtschaftshilfen zur Überwindung der Corona-Krise. Das Konjunkturpaket helfe dabei, die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, sagte Schulze dem Evangelischen Pressedienst.

Es enthalte mehr als 40 Milliarden Euro an Investitionen, “die auf den Klimaschutz einzahlen”. Auf europäischer Ebene komme es darauf an, bis Ende des Jahres die Verschärfung der Klimaschutzziele verbindlich zu beschließen. Deutschland übernimmt am 1. Juli für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft.

Die EU will bis 2050 als erster Kontinent klimaneutral werden. Die Kommission will dies per Gesetz festschreiben lassen und den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 50 Prozent statt, wie bisher vereinbart, um 40 Prozent reduzieren.

Schulze dringt insbesondere auf mehr Klimaschutz im Verkehr und eine Neuausrichtung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik. Die Defizite bei der Einsparung von Treibhausgasen lägen vor allem im Verkehrssektor. „Je schneller wir werden, etwa bei der Elektromobilität, umso besser für das Klima“, sagte sie: „Es zählt jede eingesparte Tonne CO2.“

Schulze zeigte sich zuversichtlich, dass Veränderungen zu mehr Umwelt- und Klimaschutz schon bald zu spüren sein werden. Das sei das Ziel des Konjunkturpakets. Alle Ministerien seien an der Umsetzung beteiligt, “und alle wissen, dass wir schnell sein müssene”, sagte die SPD-Politikerin. Zudem sei festgelegt, dass die Gelder zur Ankurbelung der Konjunktur in den nächsten beiden Jahren ausgegeben werden müssen. Deutschland werde 2023 anders aussehen, sagte Schulze.

Schulze: Deutschland wird 2023 anders aussehen

Im Konjunkturpaket sind erhöhte Kaufprämien für Elektro-Autos, Milliardenhilfen für die Bahn und die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs vorgesehen. In Deutschland sollen die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken.

Schulze zeigte sich zuversichtlich, dass Veränderungen zu mehr Umwelt- und Klimaschutz schon bald zu spüren sein werden. Das sei das Ziel des Konjunkturpakets. Alle Ministerien seien an der Umsetzung beteiligt, „und alle wissen, dass wir schnell sein müssen“, sagte die SPD-Politikerin. Zudem sei festgelegt, dass die Gelder zur Ankurbelung der Konjunktur in den nächsten beiden Jahren ausgegeben werden müssen. Deutschland werde 2023 anders aussehen, sagte Schulze.

RND/epd/AP