Das Aus ist offenbar besiegelt: Karstadt-Filiale im Sachsentor in Hamburg-Bergedorf. Quelle: imago images/Christian Ohde

Karstadt-Aus: “Städten droht massiver Kahlschlag”

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund ist in Sorge um die Innenstädte nach der angekündigten Schließung zahlreicher Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen. Hauptgeschäftsführer Landsberg fordert die Schaffung Runder Tische – und “faire Mieten” für den Einzelhandel. Im Zuge von Corona könnte aber auch wieder mehr Wohnraum in den Stadtzentren entstehen.

Berlin. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund zeigt sich alarmiert über die Folgen der bevorstehenden Schließung von mehr als einem Drittel aller Galeria-Karstadt-Kaufhof Filialen.

“Die angekündigte Schließung von 62 Karstadt-Kaufhof-Filialen sowie möglicherweise 20 weiteren Karstadt-Sports-Filialen bedeutet für alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die betroffenen Städte und Regionen einen massiven Kahlschlag”, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Landsberg forderte entschlossenes Handeln zur Begrenzung des drohenden Schadens. “Die großen Warenhäuser von Karstadt/Kaufhof sind Magneten in den Innenstädten und daher für die Kommunen systemrelevant”, mahnte er. “Es bedarf daher der sofortigen Einrichtung Runder Tische”, so Landsberg.

Gesucht seien jetzt Ideen für praktikable Alternativen: “Unter enger Einbindung der von der Schließungsankündigung betroffenen Kommunen müssen gemeinsam mit dem Unternehmen, dem Insolvenzverwalter und insbesondere mit den Immobilieneigentümern Zukunftsstrategien erarbeitet werden. Hierbei muss es um sinnvolle Nachnutzungskonzepte der Immobilien sowie die damit verbundene Stärkung der Innenstädte gehen”, sagte Landsberg.

Er mahnte zur Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten: “Auf Lösungen von der Stange wird man nicht setzen können; es bedarf individueller Lösungen vor Ort, die auch die Zukunftsperspektiven der betroffenen Mitarbeiter umfassen”, so Landsberg.

Vermieter sollen Milde zeigen

Die Schließung so vieler Warenhäuser drohe ganze Innenstädte zu verheeren. “Ziel muss es sein, dem drohenden Ausbluten unserer Innenstädte aktiv zu begegnen. Das wird dauerhaft nur gelingen, wenn Handel, Immobilieneigentümer sowie Kommunen eng zusammenarbeiten”, so Landsberg.

Wichtig sei es jetzt, weitere Schließungen zu vermeiden und den Innenstädten neue Perspektiven zu eröffnen. “Eine zentrale Rolle kommt hierbei den Immobilieneigentümern zu. Überzogene Mietforderungen sind in Krisenzeiten fehl am Platz. Faire Mieten, die Einzelhandel und Gewerbe eine Zukunftsperspektive bieten, sind das Gebot der Stunde”, forderte Landsberg.

“Der Deutsche Städte- und Gemeindebund erwartet daher, dass sich die Immobilieneigentümer mit dem Unternehmen auf akzeptable Rahmenbedingungen verständigen. Wirtschaftlich stabile Mieter und genutzte statt leer stehende Handelsimmobilien sind schließlich auch im Interesse der Eigentümer”, mahnte er.

Künftig mehr Wohnraum in der City?

Die Folgen der Corona-Pandemie seien Krise und Chance zugleich: “Durch angepasste Gewerbemieten und eine kooperative Zusammenarbeit der Innenstadtakteure könnten unsere Zentren wieder an urbaner Qualität gewinnen. Es muss uns gelingen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – zum Beispiel Gemeinschaftskonzepte zwischen Handel, Gastronomie, Kultur, aber auch Büronutzungen”, schlug Landsberg vor.

“Zudem wird auch das Wohnen in den Innenstädten wieder attraktiver. Hierzu kann auch beitragen, dass nach der Corona-Krise weniger Büroräume gebraucht werden. Denn: Die Tendenz zum Homeoffice wird weiter anhalten”, sagte Landsberg dem RND.

Von Marina Kormbaki/RND