Sonntag , 25. Oktober 2020
17.06.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Spornitz: Der CDU-Politiker Philipp Amthor steigt nach der Sitzung des CDU-Kreisverbandes Ludwiglust-Parchim in ein Auto. Amthor hatte sich als Kandidat zur Wahl als CDU-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. Der Bundestagsabgeordnete ist wegen seiner Nebentätigkeit und seiner Lobbyarbeit für das US-Unternehmen Augustus Intelligence massiv in die Kritik geraten. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Bei Philipp Amthor siegen Vernunft – und politisches Kalkül

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hat hoch gepokert. Bis zuletzt hielt er sich an der Möglichkeit fest, Landeschef seiner Partei im Nordosten zu werden. Um seine Affäre politisch zu überleben, hilft ihm jetzt nur noch volle Transparenz, kommentiert Thoralf Cleven.

Am Ende einer grausamen Woche stand Philipp Amthor tatsächlich mit leeren Händen da. Das Cleverle aus der CDU Mecklenburg-Vorpommerns ist plötzlich der Depp.

Eine Nebentätigkeit nach der anderen musste er nach Auskunftsdruck durch die Medien sausen lassen. Der Shootingstar, der sich eigentlich Freitag schon fast als Landeschef seiner Partei wähnte, ist ziemlich derb auf dem Boden der Realität aufgeschlagen.

Wie konnte das geschehen?

Amthor ist abgestürzt, weil er es offenbar mit den Regularien, denen sich Bundestagsabgeordnete zu unterziehen haben, nicht so genau nahm. Amthor nutzte seine zweifellos vorhandene Intelligenz nicht, um zu erkennen, dass er mit seinem Werben für das US-Unternehmen Augustus Intelligence im Wirtschaftsministerium unwiderruflich eine rote Linie überschritten hatte. Und Amthor, das ist bedenklich, hat offenbar schon mit 27 Jahren seinen politischen Kompass verloren.

Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist Amthors Rücknahme seiner Kandidatur für den Landesvorsitz – selbst wenn dies mittels sanften Drucks erfahrenerer Bundestagskollegen geschehen sein sollte. Sein Rückzug eröffnet ihm zumindest die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen und politisch wieder Anschluss zu finden.

Dafür sollte er sich nun offen und ehrlich allen Vorwürfen stellen. Wenn weiterhin scheibchenweise politische Unappetitlichkeiten ans Licht kommen, dürfte Amthor auch nicht mehr auf seinem Bundestagssessel zu halten sein.

Unabhängig davon müssen sich jedoch etliche Parteifreunde in Ministerien, die schon länger Kenntnis von diesen Vorgängen hatten, fragen lassen, warum sie Amthor nicht selbst gestoppt haben.

Diese politische Affäre ist noch nicht ausgestanden.

 

 

 

Von Thoralf Cleven/RND