Donald Trump, Präsident der USA, tippt auf seinem Smartphone bei einem Treffen mit Gouverneuren. Quelle: Alex Brandon/AP/dpa

Niederlagen für Trump: Der Präsident ist in der Defensive

Eine Pandemie, ein Wirtschaftseinbruch, ein Enthüllungsbuch und zwei Niederlagen vor dem Verfassungsgericht – es läuft derzeit gar nicht gut für den US-Präsidenten. Bei einer Kundgebung in Oklahoma am Samstag will er zum Gegenschlag ausholen. Auch wenn seine Umfragewerte fallen: Es ist zu früh, Trump abzuschreiben, kommentiert Karl Doemens.

Washington. Donald Trump ist ein Sieger. Er macht Amerika wieder groß. Er schließt die besten Handelsdeals. Und er kann als Präsident alles machen, was er will. So jedenfalls sieht sich der Narzisst im Weißen Haus selbst.

Für den Rest der Welt wirkt Donald Trump derzeit eher wie ein “Loser” – ein Verlierer.

Die Corona-Pandemie hat den USA eine Arbeitslosigkeit in Rekordhöhe beschert. Doch außer Gesundbeten fällt dem Regierungschef nichts ein.

Draußen auf den Straßen empören sich Zehntausende über Rassismus und Polizeigewalt. Doch ihr höchster Repräsentant findet kein passendes Wort.

In einem Enthüllungsbuch schildert sein ehemaliger Sicherheitsberater den “größten Dealmacher” als peinlichen Speichellecker des chinesischen Präsidenten.

Und vor dem Obersten Gerichtshof zeigen Richter, die Trump selbst ernannt hat, dem Möchtegernautokraten die Grenzen seiner Macht auf.

Ganz gleich, ob bei der Debatte um die echte Gleichberechtigung der Afroamerikaner, beim Urteil des Supreme Courts zur Schwulendiskriminierung oder beim Abschiebeschutz für überwiegend aus Lateinamerika stammende junge Migranten – plötzlich befindet sich Trump in der Defensive.

Die Gesellschaft der USA ist tendenziell liberaler geworden. Trump repräsentiert weiter das knorrige, weiße Amerika des Bibel- und Rostgürtels.

Doch leider werden Präsidentschaftswahlen in den USA nicht von der Mehrheit der Stimmen entschieden. Deshalb sind nationale Umfragezahlen, die den Amtsinhaber auf dem Weg nach unten sehen, nur begrenzt aussagekräftig.

Alles hängt davon ab, ob es Trump gelingt, die Vorurteile und die Wut seiner Wähler in den Swing-States weiter anzufachen und den Urnengang zu einem apokalyptischen Kulturkampf aufzuladen. Bei einer Kundgebung in Oklahoma am Samstag wird er damit beginnen.

Trump ist schwer angeschlagen. Besiegt ist er noch lange nicht.

RND

Von Karl Doemens/RND