Kinder vor Solaranlagen (Symbolbild): Zu viele ungenutzte Flächen. Quelle: imago images/MITO

Solarpflicht für Neubauten – Warum eigentlich nicht?

Die SPD denkt darüber nach, auf neuen Dächern eine Pflicht zur Installation von Solaranlagen einzuführen. Auch wenn er staatlichen Eingriffen in den Markt für gewöhnlich ablehnend gegenübersteht, kann unser Autor Andreas Niesmann der Idee etwas abgewinnen. Aus seiner Sicht bleiben derzeit einfach zu viele Dächer ungenutzt.

Berlin. Vorweg: Freiwillige Lösungen sind immer besser als Zwang, und der Staat schreibt seinen Bürgern wahrlich schon genug vor – vor allem, wenn diese unternehmerisch tätig sein wollen. Insofern gibt es gute Gründe, eine Pflicht zur Installation von Solaranlagen auf Neubauten kritisch zu sehen.

Andererseits: Der Strom, den wir alle brauchen, um das Licht anzuknipsen, das Handy aufzuladen oder abends den Fernseher einzuschalten, muss ja nun mal irgendwo herkommen. Und da sich diese Gesellschaft in einem jahrelangen Ringen dafür entschieden hat, keinen Atom- und keinen Kohlestrom mehr produzieren zu wollen, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien massiv vorangehen. Das ist simple Physik.

Und damit fangen die Probleme an, denn die Akzeptanz von Windkraftanlagen ist vielerorts nicht gegeben. In Tausenden Dörfern landauf landab machen Bürgerinitiativen gegen zusätzliche Windmühlen in der Landschaft mobil. Und wer einmal an einem schönen Sommertag oder vielleicht sogar an einem windigen Herbstabend in der Nähe einer modernen Windkraftanlage gestanden hat, der versteht auch, warum. Schlagschatten, Rotorgeräusche, Beleuchtung – das alles trägt nicht zur Lebensqualität bei.

Fotovoltaikanlagen, im Volksmund Solarzellen, haben diese Nachteile nicht. Sie mögen auf alten Bauernhäusern eine Beleidigung fürs Auge sein, auf den meist flachen Dächern moderner Großstadthäuser aber sind sie weitgehend unsichtbar. Sie machen weder Lärm noch Dreck. Und sie produzieren Strom dort, wo er benötigt wird – in unmittelbarer Nähe der Verbraucher.

Es ist daher fatal, dass die meisten Neubauten noch immer ohne Fotovoltaik auf dem Dach enstehen. Und es muss sich dringend ändern, wenn Deutschland die Energiewende meistern will. Eine Ausbaupflicht zumindest auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern würde einen Beitrag dazu leisten. Der Wohnraum würde zwar teuer, Mieter würden aber durch die kostengünstige Nutzung des Dachstroms profitieren. Derzeit gibt es kaum realistische Alternativen.

Von Andreas Niesmann/RND