Sonntag , 20. September 2020
Irmgard Braun-Lübcke (M), Ehefrau von W. Lübcke, im Gerichtssaal im Oberlandesgericht. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen findet vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts der Prozess gegen den mutmaßlichen Haupttäter 46-jährigen Stephan Ernst und seinen mutmaßlichen Helfer Markus H. statt. Stephan Ernst soll den nordhessischen Regierungspräsidenten Lübcke vor einem Jahr auf dessen Terrasse erschossen haben, weil sich der CDU-Politiker für Flüchtlinge eingesetzt hatte. Quelle: Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa

Prozess im Mordfall Walter Lübcke: Gericht will Video mit Geständnis zeigen

Ein Jahr nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke läuft der Prozess gegen die beiden Angeklagten. Am zweiten Prozesstag erhob ein Verteidiger Vorwürfe gegen den Vorsitzenden Richter. Das Gericht kündigte an, ein Vernehmungsvideo zu zeigen, in dem der Hauptangeklagte Stephan E. ursprünglich die Tat gestand.

Frankfurt/Main. Der Prozess um den mutmaßlich rechtsextremistisch motivierten Mord am nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist am Donnerstag fortgesetzt worden. Die Verteidiger der beiden Angeklagten stellten weitere Befangenheitsanträge gegen das Gericht.

Dabei ging es um eine Äußerung des Vorsitzenden Richter Thomas Sagebiel beim Prozessauftakt, der in Richtung der Angeklagten gesagt hatte: “Hören Sie nicht auf Ihre Verteidigung, hören Sie auf mich.” Der Verteidiger des Hauptangeklagten Stephan Ernst, Mustafa Kaplan, begründete seinen Antrag damit, dass es dem Gericht offenbar darum gehe, Unfrieden zwischen den Angeklagten und ihren Verteidigern zu stiften.

Tatverdächtiger hat Geständnis widerrufen

Das Oberlandesgericht Frankfurt wollte nach einer kurzen Pause am Vormittag dann in die Beweisaufnahme eintreten. Dabei sollte das polizeiliche Vernehmungsvideo mit dem ersten Geständnis von Stephan Ernst im Gerichtssaal gezeigt werden. Dieses Geständnis hat Ernst inzwischen widerrufen und später eine andere Version des Tatgeschehens dargelegt.

Der 46-Jährige ist wegen Mordes angeklagt, er soll Lübcke Anfang Juni 2019 mit einem Kopfschuss getötet haben. Mitangeklagt ist Markus H. wegen Beihilfe zum Mord, er soll unter anderem den Kauf der Tatwaffe eingefädelt haben.

RND/dpa