Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Quelle: Getty Images

Über eine zweite Corona-Welle spricht die Kanzlerin lieber nicht

Bund und Länder haben sich am Mittwoch auf weitere Regeln zum Umgang mit der Corona-Pandemie verständigt. Der bayerische Ministerpräsident Söder warnt vor Leichtsinn im Umgang mit der Pandemie. Kanzlerin Merkel will sich auf Wesentliches konzentrieren.

Berlin. Die Corona-Lockerungen sind im Kanzleramt angekommen und das sieht man zum Beispiel an Winfried Kretschmann. Zum ersten Mal seit drei Monaten ist der baden-württembergische Regierungschef wieder in die Berliner Regierungszentrale gekommen, so wie auch seine anderen 15 Ministerpräsidenten-Kollegen.

So häufig wie selten hatte man sich in den vergangenen Wochen wegen der Corona-Krise gesprochen – allerdings stets in Videokonferenzen. Nun sitzt man erstmals wieder beisammen, mit großen Abständen.

Und der hat eine weitere Folge: Manche Regierungschefs müssen in der zweiten oder dritten Reihe Platz nehmen. “Protokollarisch nicht ganz einfach”, räumt man im Kanzleramt ein. Angela Merkel versichert: “Das war ungewohnt, hat aber keine tiefere Bedeutung.”

Nicht dass die neue Entspannung gleich wieder neue Spannung verursacht. Es ist ja für manche schon eine Zumutung, dass die Staatskanzleichefs in einen Nebenraum gebeten werden.

Denn eigentlich hat man sich ja geeinigt. Schon bevor man im Kanzleramt zusammengekommen ist, haben sich diesmal die Ministerpräsidenten zusammengesetzt und befunden, was weiter gelten soll. Der Mindestabstand bleibt bei 1,5 Metern, in bestimmten öffentlichen Bereichen sollen weiter Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden. Es gibt weiter Kontaktbeschränkungen.

“Das ist der Kern”, sagt Merkel.

Einen Kompromiss gibt es bei Großveranstaltungen: Verboten bleiben bis Oktober die Veranstaltungen, “bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist”. Familienfeste und kleine offizielle Feiern seien also kein Problem, sagt Söder.

Starkbierfeste oder Volksfeste wie das Oktoberfest allerdings seien nicht möglich. Und wenn es nach Söder geht, werden diese Einschränkungen auch noch länger bleiben. Karnevalsveranstaltungen, die im November den Beginn der “närrischen Saison” einleiten, seien “schwer vorstellbar”, sagt er. Die Karnevalswoche sei es im Februar schließlich gewesen, die die Infektionszahlen in Deutschland stark erhöht hätte.

Für einen anderen Bereich gibt es früher Entwarnung: Schulen sollen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb zurückkehren, beschließt die Runde. Keine verkleinerten Klassen und verkürzten Unterrichtszeiten also mehr. Was viele Familien als Kern betrachten werden, ist versehen mit einem Aber. Es soll gelten, wenn die Infektionszahlen niedrig bleiben.

Und bleiben sie das? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Infektionswelle, bei der man nicht mehr von örtlichen Geschehen sprechen kann und einen Wohnblock, ein Stadtviertel oder ein Städtchen in Quarantäne schickt?

“Corona hält die Welt in Atem”, sagt Söder, der stets einen restriktiveren Kurs verfolgt hat. Es gebe in anderen Ländern dramatische Entwicklungen und auch Rückfälle. Deutschland habe mit seinem vorsichtigen Vorgehen “Tausende, wahrscheinlich Zehntausende gerettet”. Es gebe keinen Anlass, leichtfertig zu werden. Er sehe mit Sorge auf die Sommermonate mit ihren Urlaubsfahrten. “Corona ist wie ein Funke, der wieder ein Buschfeuer auslösen kann”.

Merkel geht auf die Frage nach der zweiten Welle nicht ein. “Warum sollen wir uns mit Dingen beschäftigen, die nicht auf der Tagesordnung stehen”, sagt sie. Sie sei zufrieden, dass die Zahl der Infektionen derzeit konstant sei und dass man von einer exponentiellen Entwicklung weit entfernt sei. “Wir sind jederzeit handlungsfähig”, versichert sie.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) springt bei. Es gebe mehr Tests und alle seien noch aufmerksamer. Dadurch könne verhindert werden, dass neue Infektionen sich unbeachtet ausbreiteten. “Es ist nicht höhere Gewalt”, sagt Tschentscher. Eine zweite Welle könne “dadurch verhindert werden”.

Von Daniela Vates/RND