Sonntag , 27. September 2020
Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Bundesministerin Giffey wirbt auf privater Internetplattform – und wird überprüft

Wegen der Corona-Krise wirbt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in einem Werbespot des Internetportals “nebenan.de” für mehr Nachbarschaftshilfe. Das ruft nun offenbar die Medienanstalt Berlin-Brandenburg auf den Plan. Die will Giffeys Handeln laut einem Bericht prüfen.

Berlin. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wirbt für das Internetportal “nebenan. de” und ruft nun offenbar die Medienanstalt Berlin-Brandenburg auf den Plan. Das berichtet die “FAZ”.

Über mehrere soziale Medien und mediale Kanäle ist Giffey in einem Werbespot für “nebenan. de” zu sehen und zu hören. Darin appelliert sie an verstärkte Nachbarschaftshilfe während der Corona-Pandemie.

“In diesen Zeiten sind wir alle gefragt, möglichst zu Hause zu bleiben und direkte soziale Kontakte so weit wie möglich zu vermeiden”, sagt sie. Das sei für keinen leicht, doch für manche besonders schwer. Gerade für jene, die unter Einsamkeit litten oder zur Risikogruppe gehörten und nicht mehr selbst einkaufen gehen könnten. Und längst nicht alle seien online unterwegs, sagt sie und verweist auf eine Hotline von “nebenan. de”.

Auch auf der Webseite des Bundesfamilienministeriums soll das Video laut FAZ zu sehen sein. Dem Bericht zufolge will deshalb nun die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) die Verbreitung des Videos auf der Seite der Behörde prüfen und habe das Ministerium bereits um eine Stellungnahme gebeten. “Wir sehen uns das als Aufsichtsbehörde an”, zitiert die FAZ Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. “Das ist ein interessanter Fall.”

Ministerium: Giffey hat als Privatperson gehandelt

Wie auf der Webseite “Fragdenstaat.de” zu lesen ist, verteidigte sich das Ministerium damit, dass Giffey als Privatperson gehandelt habe – ohne Beteiligung der Behörde.

Doch Kritik übte auch Lars Rademacher, der Vorsitzende des Deutschen Rates für Public Relations. Gerade der Verweis auf die Hotline des Internetportals könne den Eindruck erwecken, die Ministerin mache Werbung für eine Dienstleistung, heißt es in dem FAZ-Bericht. Wer auch immer das Video sehe, könne annehmen, es handele sich um ein primär bürgerschaftliches Engagement – obwohl hier seit 2018 mit großem Investitionsaufwand ein kommerzielles Interesse verfolgt werde.

Laut FAZ steht hinter dem Portal Investorengeld vom Burda-Verlag und Lakestar, das unter anderem am Musikstreamingdienst Spotify beteiligt ist. Das Portal der Berliner Good Hood GmbH nimmt Geld von Unternehmen und Städten, wenn diese auf dem Portal Nachbarn erreichen wollen.

Rademacher: “Ministerin Franziska Giffey gefährdet damit das Ansehen ihres Amtes, weil nicht klar ist, ob ihr selbst diese Zusammenhänge deutlich sind.”

RND/cz