Dienstag , 29. September 2020
Ein medizinischer Mitarbeiter in Schutzkleidung behandelt einen Patienten auf der Intensivstation eines Krankenhauses im Jemen. Quelle: Hani Al-Ansi/dpa

Schnelle Hilfe nötig: Im Jemen droht das Massensterben

Im Jemen droht unzähligen Menschen der Tod: durch das Coronavirus, Malaria, Cholera, Denguefieber und andere schwere Krankheiten. Das sagt Rupert Colville, Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte. In den Krankenhäusern fehlen Personal, Ausstattung, Medikamente und sauberes Wasser – und versprochene Hilfsgelder sind noch nicht einmal zur Hälfte geflossen.

Genf. Angesichts des zusammenbrechenden Gesundheitssystems befürchten die UN ein Massensterben im Jemen. Ohne schnelle internationale Hilfe drohe “unzähligen” Menschen in dem Konfliktland der Tod durch den Corona-Erreger, Malaria, Cholera, Denguefieber und andere schwere Krankheiten, warnte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Freitag in Genf.

Der UN-Sprecher berichtete von Hospitälern, die kranke Menschen mit hohem Fieber und Atembeschwerden abwiesen. Die Krankenhäuser hätten keine Betten, kaum medizinisches Gerät, wenig Personal und so gut wie keine Medizin. Zudem herrsche ein Mangel an sanitären Einrichtungen und sauberem Wasser. Ohne weitere internationale Finanzhilfen müssten mehr als 30 von 41 UN-Hilfsprogrammen für die darbende Bevölkerung schließen, betonte Colville.

Hälfte der medizinischen Einrichtungen im Jemen funktionsunfähig

Laut einer Untersuchung der Hilfsorganisation Handicap International funktionieren über die Hälfte der medizinischen Einrichtungen im Jemen nicht mehr. Nach Einschätzung der UN ist Jemen der Schauplatz der schlimmsten humanitären Krise weltweit. Für die Jemen-Hilfe brauchen die UN und ihre Partnerorganisationen in diesem Jahr 2,4 Milliarden US-Dollar (2,12 Milliarden Euro).

Auf einer von den UN und Saudi-Arabien organisierten Geberkonferenz für Jemen Anfang Juni kamen Zusagen von 1,35 Milliarden US-Dollar (1,19 Milliarden Euro) zusammen. Bislang seien aber tatsächlich nur 637 Millionen US-Dollar (563 Millionen Euro) überwiesen worden, teilte das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe mit.

Handicap International führte weiter aus, dass von den rund 30 Millionen Jemeniten mehr als 24 Millionen auf Hilfe zum Überleben angewiesen seien, knapp 18 Millionen hätten keinen Zugang zu Trinkwasser. Der Einsatz von Explosivwaffen wie Granaten, Streubomben und Raketen habe die Entwicklung des Landes nach UN-Berechnungen um 25 Jahre zurückgeworfen.

Ein Viertel des Straßennetzes zerstört

95 Prozent der Opfer seien Zivilisten gewesen, wenn die Sprengsätze in bewohnten Gebieten zum Einsatz gekommen seien, hieß es in einer Studie der Organisation, die sich unter anderem für Menschen mit Behinderung einsetzt.

Etwa ein Viertel des Straßennetzes im Jemen sei vollständig oder in Teilen zerstört. Es werde Jahre dauern, die Waffenreste zu beseitigen und die Infrastruktur wiederaufzubauen. Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die aufseiten der jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen kämpft, die wiederum Unterstützung aus dem Iran erhalten. Durch Gewalt, Hunger und vermeidbare Krankheiten starben in den vergangenen Jahren Zehntausende Menschen im Jemen.

RND/epd