Die Corona-Warn-App mit der Seite zur Risiko-Ermittlung ist im Display eines Smartphone vor der Kuppel des Reichstags zu sehen. (Symbolbild) Quelle: Michael Kappeler/dpa

Europäische Corona-Apps sollen untereinander Daten austauschen

Künftig soll es einen Datenaustausch einiger Corona-Warn-Apps in EU-Staaten geben. Wegen der anstehenden Reisesaison sei dieser Schritt wichtig, sagt EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton. Viele Staaten aber fehlen noch - auch Frankreich.

Brüssel. Die verschiedenen Corona-Apps der EU-Staaten sollen künftig Informationen untereinander austauschen können und so die Kontaktverfolgung von Infizierten über Ländergrenzen hinweg möglich machen. Darauf einigten sich Deutschland und mehrere andere Länder, wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte.

Dabei sind alle Länder, deren Apps auf eine dezentrale Speicherung der Daten setzen. Neben Deutschland, das seine Corona-Warn-App am Dienstag startete, sind das rund 15 andere EU-Länder sowie Liechtenstein und Norwegen. Davon hat bislang allerdings nur ein kleiner Anteil seine Apps gestartet. Unter anderem Frankreich, das Land mit den zweitmeisten Einwohnern in der EU, ist nicht dabei.

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes wurde am Dienstag zum Download bereitgestellt. Sie soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen. Künftig soll sie auch nahtlos mit den anderen Apps zusammenarbeiten können.

Reisesaison macht Datenaustausch nötig

EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton betonte: "Nun, da wir uns der Reisesaison nähern, ist es wichtig, sicherzustellen, dass Europäer die App ihres eigenen Landes benutzen können, wohin auch immer sie in der EU reisen." Kontaktverfolgungs-Apps könnten hilfreich sein, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Stella Kyriakides rief die EU-Bürger dazu auf, diese Apps zu nutzen.

Nach Angaben der EU-Kommission haben sich die teilnehmenden Länder auf eine Reihe technischer Details geeinigt. Die französische und die ungarische App sind nicht dabei, weil sie die gesammelten Daten zentral auf einem Server speichern und nicht dezentral auf den Handys. Andere Länder haben sich dagegen entschieden, eine App zur Kontaktverfolgung einzusetzen, oder haben diese Entscheidung noch nicht getroffen.

Nationale Apps sollen über Server verbunden werden

Ein Sprecher der Brüsseler Behörde betonte am Dienstag, dass die sechs Apps, die derzeit in Betrieb seien, unverzüglich miteinander kommunizieren könnten, sobald die Technik aktualisiert werde. Mittelfristig werde die EU-Kommission einen Server einrichten, der die nationalen Apps miteinander verbinde und die Daten verarbeite.

In etwa zwei Wochen solle eine Testphase dieses Datenabgleichsdienstes mit Deutschland und drei anderen Ländern starten. Zudem werde daran gearbeitet, dass künftig auch der Austausch mit jenen Apps funktioniere, die auf zentrale Speicherung der Daten setzten.

RND/dpa