US-Präsident Donald Trump am Kabinettstisch im Weißen Haus. Quelle: imago images/UPI Photo

Trumps Abzugspläne: Sachlich bleiben!

US-Präsident Donald Trump will die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldaten auf 25.000 reduzieren. Die Bundesregierung reagiert gelassen auf Trumps antideutsche Rhetorik – gut so, kommentiert Marina Kormbaki. Doch Trumps Ausfall zeigt auch: Deutschland muss sich mit den EU-Partnern stärker als bisher um die Sicherheit Europas kümmern.

Berlin. Von einer Überraschung kann keine Rede sein. Die Bundesregierung nehme die Truppenabzugspläne von US-Präsident Donald Trump zur Kenntnis, sagt Außenminister Maas betont entspannt.

Wiederholt hatte Richard Grenell, bis vor Kurzem noch Botschafter des US-Präsidenten in Berlin, damit gedroht. Jetzt, da Grenell zurück in Washington ist und Ambitionen auf die Nachfolge des bei Trump in Ungnade gefallenen Verteidigungsministers Mark Esper zu haben scheint, kündigt Trump den Vollzug des Teilabzugs an.

Er will dies als Strafe verstanden wissen – dafür, dass Deutschland bei den Militärausgaben geize und stattdessen Milliarden für russisches Gas nach Moskau überweise.

Amerika schadet sich selbst

Allerdings nähme nicht Deutschland unmittelbar Schaden an einem US-Abzug, sondern Amerika selbst. Auch darum bleibt Berlin gelassen. Die Basis Ramstein – größter US-Stützpunkt außerhalb der USA – wurde bis zuletzt immer wieder für viel Geld modernisiert. Sie ist unabdingbar für die Einsätze der US-Armee im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika.

Europa braucht eine Strategie der Eigenständigkeit

Trump sägt an den Pfeilern jener globalen Sicherheitsarchitektur, die Amerikas Vormachtstellung erst ermöglicht hat.

Dementsprechend skeptisch blicken Amerikas Militärs, Diplomaten und viele Republikaner auf die Pläne ihres Präsidenten. Gesucht wird jetzt in Washington nach einer Abzugsvariante, die Trumps Gier nach symbolischer Härte stillt, aber die Sicherheit der USA nicht gefährdet. Gesucht wird nach Wegen zur Begrenzung des Schadens, den ein selbstsüchtiger Präsident über sein Land bringt.

Die Bundesregierung tut gut daran, Trumps wahltaktisch motivierte Attacke auf Deutschland kühl zu parieren. Bis zur US-Wahl im November wird es wohl noch einige antideutsche Ausfälle geben.

Allerdings ist ein sachlicher Umgang mit einem unsachlichen Präsidenten noch keine Strategie zur Verteidigung der eigenen Sicherheit. Die bleibt Deutschland, die bleibt Europa sich selbst bis heute schuldig.

Von Marina Kormbaki/RND