Mittwoch , 23. September 2020
Die Corona-Warn-App steht seit Dienstagnacht zum Download bereit. Quelle: Catherine Waibel/dpa-tmn

Installation, Funktion, Bedienung: Die Corona-App im Test

Nach Wochen des Wartens ist die Corona-App ab sofort zum Download verfügbar. Bereits nach kurzer Zeit wurde die Anwendung mehr als 100.000 Mal heruntergeladen. Wir haben Installation, Funktionalität und Datenschutz unter die Lupe genommen.

Corona-Warn-App – unter diesem Namen hat das Robert Koch-Institut die langerwartete Tracing-App, die von SAP und der Telekom entwickelt wurde, in der Nacht zu Dienstag veröffentlicht. Gleich zu Beginn hat die App ein hohes Interesse generieren können, im Play Store wurde sie bis 11 Uhr mehr als 100.000 Mal heruntergeladen. Auch bei Apple lassen die vielen Rezensionen eine hohe Download-Zahl vermuten. Doch wie funktioniert die Anwendung und was kann sie? Wir haben einen ersten Blick in die App geworfen.

Was kann die App?

Über die Bluetooth Low Energy-Technologie merkt sich die App Begegnungen zwischen Personen, die die Anwendung auf ihrem Smartphone installiert haben. Die App verfügt über drei wesentliche Funktionen: Die Risiko-Ermittlung, den Risiko-Status und die Testregistrierung. Die Risiko-Ermittlung kann aktiviert und deaktiviert werden. Um sie zu nutzen, müssen Nutzer das COVID-19-Kontaktprotokoll mit der neusten Version ihres iOS- oder Android-Betriebssystem heruntergeladen haben und dieses für die App freischalten.

Der Risiko-Status leitet sich aus der Risiko-Ermittlung ab und wird alle 24 Stunden aktualisiert. Dieser gibt Aufschluss darüber, ob in den letzten 14 Tagen Corona-positiv getestete in der Nähe des Nutzers waren. Er erscheint in drei Farben: Grau bedeutet, dass noch nicht genug Daten zur Verfügung stehen, Grün bedeutet ein niedriges Infektionsrisiko und Rot ein erhöhtes Infektionsrisiko. Sollte sich der Risiko-Status ändern, so wird der Nutzer per Push-Notification informiert. Bisher ist noch nicht einzusehen, welche Handlungsempfehlungen der Nutzer erhält, sollte er ein erhöhtes Risiko angezeigt bekommen.

Die komplexeste Funktion ist die Testregistrierung. Es besteht die Möglichkeit, das Ergebnis des eigenen COVID-19-Tests einzusehen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn man im Labor zuvor einen QR-Code erhalten hat. Alternativ wird Nutzern bei einem positiven Test eine TAN mitgeteilt. Diese lässt sich über den Menüpunkt „TAN“ eingeben. Anschließend kann der Test offiziell registriert und eine Warnung an andere App-Nutzer, deren Kontaktschlüssel hinterlegt ist, ausgesendet werden. Verfügt der Nutzer nicht über eine TAN, so kann diese über eine Hotline erfragt werden. Dazu müssen der Befundbrief und die Telefonnummer bereitgehalten werden.

Als weitere Funktion kann unter „Corona-Warn-App teilen“ ein Download-Link via Mail oder Messenger verschickt werden. Unter „Häufige Fragen“ werden Nutzer auf eine Webseite der Bundesregierung weitergeleitet, die 16 Fragen rund um die App beantwortet. In den „Einstellungen“ kann die Risiko-Ermittlung aktiviert und deaktiviert werden, zudem lassen sich die Mitteilungen verwalten. Auch kann die App zurückgesetzt werden. Dann werden alle in der App hinterlegten Daten gelöscht.

„Corona-Warn-App“: So funktionieren Installation und Einrichtung

Der erste Schritt führt über den App oder den Play Store. Unter Stichwörtern wie „Corona-App“ werden Nutzer bisher nicht fündig, stattdessen muss der vollständige Name „Corona-Warn-App“ in das Suchfenster eingegeben werden. Zunächst erscheint ein Startdialog, der über die Funktionsweise der App informiert. Der Nutzer muss hier der Datenschutzerklärung zustimmen. Im nächsten Schritt lässt sich die Risiko-Ermittlung aktivieren. Anschließend fragt das Smartphone nach der Erlaubnis für das COVID-19-Kontaktprotokoll sowie die Aktivierung der Bluetooth-Funktion. Beides muss ab dann dauerhaft eingeschaltet bleiben.

Ein Nutzer kann sich auch gegen die Verwendung der Funktion entscheiden, dann kann die App allerdings nicht ermitteln, ob Kontakt zu einer infizierten Person bestand. Anschließend bitten die Betreiber den Nutzer, bei einem positiven Testergebnis entsprechende Daten in der App zu hinterlassen. Im letzten Schritt können die Benachrichtigungen aktiviert werden. Die Anwendung sendet Hinweise aus, sobald sich der Risiko-Status verändert. Nun ist der Startdialog beendet und die Funktionen der App stehen bereit.

Hier können Sie die Corona-Warn-App herunterladen:

Corona-Warn-App für Android hier herunterladen Corona-Warn-App für iOS hier herunterladen

Wie ist die Handhabung?

Sobald man den relativ ausführlichen Begrüßungsdialog abgeschlossen hat, öffnet sich der Startbildschirm. Zentrales Element ist der farblich hinterlegte Risiko-Status, der auf den ersten Blick ins Auge sticht. Die Risiko-Ermittlung lässt sich einfach ein- und ausschalten. In jedem Schritt wird der Nutzer ausführlich durch die jeweilige Funktion geführt. Die Sprache ist dabei verständlich gehalten. Etwas komplizierter ist die Testregistrierung mit drei Möglichkeiten. Doch auch diese werden erklärt und sind nach einem ersten Blick einfach zu erfassen. Wie gut die Testregistrierung funktioniert, lässt sich in unserem Versuch nicht abbilden. Auch über die Benachrichtigungen lassen sich zu Beginn noch keine Rückschlüsse ziehen.

Auf welche Daten hat die App Zugriff?

In den Datenschutzerklärungen informieren die Betreiber, welche Daten erhoben werden. Die Nutzung der App erfolgt auf freiwilliger Basis. Als Verantwortliche für den Datenschutz wird das Robert Koch-Institut genannt. „Die App ist so konzipiert, dass so wenig personenbezogene Daten wie möglich verarbeitet werden“, heißt es. Demnach werden keine Daten erfasst, die Rückschluss auf den Standort und die Identität zulassen. Stattdessen registriert die App die Zugriffsdaten, Begegnungsdaten und Gesundheitsdaten.

Die Daten werden pseudonymisiert und dezentral auf dem Smartphone gespeichert. Auf beiden Betriebssystemen muss die Kamerafunktion, die Bluetooth-Funktion, sowie das COVID-19-Kontaktprotokoll aktiviert sein. Zusätzlich ist die Push-Notification möglich. Bei Android-Geräten muss zusätzlich die Standort-Funktion aktiviert sein. Das liegt daran, dass sich die Bluetooth Low Energy-Technologie bei Google nur gemeinsam mit den Ortungsdiensten verwenden lässt.

Auf welchen Smartphones läuft die App?

Beim iPhone muss das aktuelle Betriebssystem iOS 13.5 installiert sein. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Die älteren iPhones 5, 5s oder 6 reichen nicht aus. Bei Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier ist Android 6 und die Unterstützung von Bluetooth LE Mindestvoraussetzung. Zum anderen müssen aber auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste. Grund für das benötigte Update auf die neuen Betriebssysteme ist die sogenannte Exposure Notification API, eine Schnittstelle, die von Apple und Google entwickelt wurde. Sie erlaubt, dass via Bluetooth auch im Hintergrund Informationen über einen Kontakt gesendet und empfangen werden können. Während die App aktiv ist, können weitere Geräte normal im Bluetooth-Betrieb laufen.

Fazit

Wie versprochen, erhebt die App keine personenbezogenen Daten wie GPS-Standorte oder gibt Aufschluss über die Identität des Nutzers. Die Datenschutzbestimmungen sind umfangreich und doch übersichtlicher als bei vielen anderen Anwendungen. Anders als die meisten bisher veröffentlichten Tracing-Apps kann die Corona-Warn-App als zusätzliche Funktion das Ergebnis eines Tests anzeigen. Dies ist bisher allerdings nur möglich, wenn das testende Labor über die Möglichkeit verfügt, QR-Codes zu generieren. Wie dies in der Praxis funktioniert, wird sich noch zeigen.

Generell ist zu sagen, dass die App mithilfe der Anleitungen einfach zu bedienen ist. Das Design ist modern und schlicht gehalten, was zur Übersichtlichkeit beiträgt. Lobend hervorzuheben ist auch die Transparenz der Entwickler und die Möglichkeit, den kompletten Quellcode der App öffentlich einzusehen. Größter Kritikpunkt ist die fehlende Kompatibilität mit älteren Smartphones. Ein zusätzlicher Anreiz für die Nutzung wären Informationen wie etwa Statistiken über aktuelle Fallzahlen, die vom RKI bereitgestellt werden könnten.

Von Mila Krull/RND