Mittwoch , 30. September 2020
Die stak gesicherte Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Quelle: Getty Images

Eskalation an der Grenze: Nordkorea bestätigt Sprengung von Verbindungsbüro

In der Grenzstadt Kaesong hat Nordkorea das innerkoreanische Verbindungsbüro gesprengt, entsprechende südkoreanische Angaben hat Nordkorea inzwischen bestätigt. Das Verbindungsbüro diente als wichtiger Kommunikationskanal zwischen beiden Staaten. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel schaukeln sich weiter hoch.

Seoul. Nordkorea hat die Zerstörung des innerkoreanischen Verbindungsbüros auf seinem Boden bestätigt. Die Sprengung des Gebäudes in der grenznahen Stadt Kaesong sei im Zuge der Unterbrechung aller Kommunikationsverbindungen zwischen Süd- und Nordkorea erfolgt, berichteten die Staatsmedien am Dienstag. “Um 14.50 Uhr (Ortszeit) wurde das Verbindungsbüro auf tragische Weise mit einer fürchterlichen Explosion zerstört.”

Die südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zeigte Bilder von einer Rauchsäule, die vom Gelände des einst gemeinsam betriebenen Industrieparks in Kaesong aufsteigt. Dort befand sich auch das Büro, das als wichtiger Kommunikationskanal zwischen beiden Staaten gedient hatte. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel schaukeln sich derzeit wieder hoch. Nordkorea fühlte sich zuletzt sich durch eine neue Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten provoziert.

Kommunikationsleitungen zum Süden gekappt

Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte bereits unter anderem mit dem Rückzug aus einem bilateralen Militärabkommen von 2018 über vertrauensbildende Maßnahmen und auch mit der Schließung des Verbindungsbüros gedroht. Auch kappte Nordkorea die Kommunikationsleitungen zum Süden.

Vor den Berichten über die Sprengung des Verbindungsbüros in Kaesong drohte Nordkoreas Militär damit, bereits “entmilitarisierte” Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen. “Unsere Armee beobachtet die Lage genau, in der sich die innerkoreanischen Beziehungen zusehends verschlechtern”, erklärte die Armeeführung des international isolierten Landes.

Es würden Pläne der Regierung und der Arbeiterpartei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstoßen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den Staatsmedien zitiert.

Südkoreanische Medien spekulierten, Nordkorea könnte unter anderem wieder Soldaten in das Gebiet um Kaesong schicken. Dort hatten beide Länder bis 2016 einen gemeinsamen Industriekomplex betrieben. Vor der Öffnung des Industrieparks 2004 waren auf dem Gelände Soldaten stationiert gewesen.

Ständiges Komitee des Nationalen Sicherheitsrats kommt zusammen

Die Sprengung zeuge von der Wut der Nordkoreaner, hieß es in den nordkoreanischen Berichten in Anspielung auf die Verärgerung der kommunistischen Führung in Pjöngjang über eine neue Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge von Ende Mai an der Grenze. Ziel sei es gewesen, “menschlichen Abschaum und solche, die dem Abschaum Schutz bieten, für ihre Verbrechen zahlen” zu lassen.

In Südkorea kam das ständige Komitee des Nationalen Sicherheitsrats zusammen, um die Lage nach der Sprengung zu erörtern, wie das Präsidialamt in Seoul mitteilte. Die Einrichtung des Verbindungsbüros war ein konkretes Ergebnis des ersten Gipfeltreffens des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im April 2018 gewesen.

China fordert “Frieden und Stabilität” in Korea

China hat sich indes für “Frieden und Stabilität” auf der koreanischen Halbinsel ausgesprochen. “Nordkorea und Südkorea sind ein Volk und als Nachbar hat China immer auf die Wahrung von Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel gehofft”, sagte Zhao Lijian, ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Dienstag.

RND/dpa