Mittwoch , 30. September 2020
Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien. Quelle: House Of Commons/PA Wire/dpa

Briten-Premier Johnson will Anti-Rassismus-Kommission einsetzen

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis haben auch in Großbritannien zuletzt Zehntausende Menschen gegen rassistische Strukturen demonstriert. Premier Boris Johnson will nun reagieren und eine Kommission für ethnische Gleichstellung zusammenstellen. Oppositionspolitiker werfen ihm Zeitschinderei vor.

London. Der britische Premierminister Boris Johnson will nach Protesten gegen Rassismus und Diskriminierung eine Kommission für ethnische Gleichstellung ins Leben rufen. Das neue Gremium solle “alle Aspekte von Ungerechtigkeit beleuchten – in der Arbeitswelt, in Gesundheitsfragen, bei der Bildung und in allen anderen Lebensbereichen”, schrieb er in einem Gastbeitrag in der Zeitung “Daily Telegraph”.

Er nannte auch das Justizsystem als Beispiel, das auf Diskriminierung überprüft werden solle. Allerdings nannte er kaum weitere Details.

Labour-Politiker wirft Johnson Zeitschinderei vor

Der oppositionelle Labour-Politiker David Lammy warf der konservativen Regierung vor, Zeit zu schinden. „Es fühlt sich so an, als wolle das Vereinigte Königreich ein weiteres Mal Zahlen und Daten, aber nicht handeln. Die Zeit der Überprüfungen ist vorbei, jetzt ist Zeit zu handeln.“ Lammy war 2017 der Autor eines Berichts über Großbritanniens ethnische Minderheiten und das Justizsystem.

In den vergangenen zwei Wochen sind Zehntausende Menschen in Großbritannien auf die Straße gegangen. Sie bekundeten Solidarität mit dem in US-Polizeigewalt gestorbenen Afroamerikaner George Floyd Ende Mai und forderten Großbritannien zugleich auf, seine Kolonialgeschichte und Ungleichheiten durch rassistische Strukturen anzugehen.

RND/AP