Samstag , 15. August 2020
Coronavirus-Tests im Labor - wie ansteckend sind Kinder? Quelle: imago images/Independent Photo Agency Int.

Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung von Corona?

Viele Eltern wünschen sich dringend, dass ihre Kinder wieder ganz normal zur Schule gehen können. Andere haben aber auch Angst davor, dass die Kinder das Coronavirus aus der Schule mit nach Hause bringen. Der Forschungsstand ist widersprüchlich. Lassen sich überhaupt Schlüsse aus ihm ziehen?

Berlin. Wie ansteckend sind Kinder in der Corona-Pandemie? Das ist eine höchst relevante Frage, wenn es darum geht, ob Kitas und Schulen komplett geöffnet werden sollen. Nur: Es gibt darauf noch keine klare Antwort. Dazu ist die Datenlage noch nicht belastbar genug.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité ist in einer Untersuchung zum Ergebnis gekommen, dass Kinder genauso ansteckend sein könnten wie Erwachsene. Drosten hat eine Vorabveröffentlichung seiner Ergebnisse gemacht, auch wenn die Studie noch nicht fertig ist. Das ist ein übliches Verfahren in der Forschung, um anderen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben Kritik zu üben und dadurch die Studie zu verbessern.

Drosten hat nachgebessert

Insbesondere Statistiker machten daraufhin Verbesserungsvorschläge. Der Virologe Drosten hat Teile der Kritik aufgenommen und mittlerweile bereits eine überarbeitete Vorabversion der Studie veröffentlicht. Das Gesamtergebnis, nämlich dass Kinder so ansteckend sein könnten wie Erwachsene, hat sich aber nicht geändert. Die Daten, so schreibt Drosten, lieferten kaum Hinweise, die eine andere Sicht nahelegten.

Doch das wissenschaftliche Bild ist nicht einheitlich. So hat das Land Baden-Württemberg an Unikliniken eine Studie zum Thema Kinder und Coronavirus in Auftrag gegeben. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat unter Berufung auf Zwischenergebnisse erklärt, dass Kinder als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielten. Eine Studie liegt aber auch hier noch nicht vor. Insgesamt scheint es wichtig, jeden Öffnungsschritt in Kitas und Schulen wissenschaftlich zu begleiten, um zu einer breiteren Datenlage und einem wissenschaftlich klareren Bild zu kommen.

Kompliziert ist die Sache auch deshalb, weil Kinder sich anstecken können, oft aber selbst keine Symptome haben. Dadurch können sie – wenn sie ähnlich ansteckend sein sollten wie Erwachsene – in Familien, wenn man so will, zum „trojanischen Pferd“ werden. Will heißen: Kinder könnten das Virus zunächst unbemerkt weiterreichen.

Von Tobias Peter/RND