Mittwoch , 23. September 2020
So sah es bei der ersten Berliner "Unteilbar"-Demonstration aus: am 13. Oktober 2018 in Berlin. Quelle: picture alliance/dpa

„Unteilbar“-Demo am Sonntag in elf Städten – Menschenketten geplant

Das Bündnis “Unteilbar” geht für Solidarität in elf deutschen Städten auf die Straße. Ein dichtes Gedränge wie zuletzt am vergangenen Samstag bei den Demonstration gegen Rassismus wollen die Organisatoren vermeiden. Die Protestierer sollen sich daher aufreihen.

Berlin. Mit einer neun Kilometer langen Menschenschlange vom Brandenburger Tor bis Berlin-Neukölln will das Bündnis „Unteilbar“ am Sonntag gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus demonstrieren. Neben Berlin soll auch in zahlreichen anderen Städten wie Hamburg, Leipzig, Erfurt, Münster, Chemnitz, Freiburg und Passau protestiert werden, wie die Vertreterinnen mehrerer Initiativen und Verbände am Donnerstag ankündigten.

Das Motto lautet „#SoGehtSolidarisch“. Angemeldet bei der Polizei sind 5000 Teilnehmer. Zu dem Bündnis „Unteilbar“ gehören nach eigenen Angaben mehr als 130 Initiativen und Gruppen.

Auch in Hanau soll es eine Menschenkette geben, dazu rief die “Initiative 19. Februar Hanau” zusammen mit anderen Gruppen auf. In der hessischen Stadt waren am 19. Februar neun Menschen mit MIgrationshintergrund aus rassistischen Motiven erschossen worden.

Statt eines großen Demonstrationszuges solle in Berlin von 14 bis 15 Uhr ein „Band der Solidarität“ aus Menschen gebildet werden, sagte Bündnis-Sprecherin Anna Spangenberg. Die Demonstranten sollen sich mit jeweils drei Metern Abstand in einer langen Reihe aufstellen, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

„Wir werden vor Ort auf den Abstand achten, es wird Markierungen auf der Straße geben, die Menschen werden einander ansprechen, und wir werden selbstverständlich Mundschutz tragen.“ Außerdem soll es Übertragungen im Internet mit der Beteiligung weiterer Menschen geben.

Es gehe um die „Unteilbarkeit der Menschenrechte und sozialen und ökonomischen Fragen“, sagten die Bündnis-Vertreter. Gerade in diesen Zeiten der Corona-Krise würden sich die politischen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten weiter verschärfen.

Bei der Menschenkette in Berlin werde es einzelne Themenblöcke geben: einen anti-rassistischen Block am Hermannplatz, dem einen Ende der Demonstration. Und dann Abschnitte zu Themen wie Klimaschutz, Feminismus, Schutz vor Gewalt gegen Frauen sowie Kinderrechte.

Die Sprecherin der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“, Anne-Christin Tannhäuser, sagte: „Ich freue mich immens, dass „Unteilbar“ unsere Stimmen noch mehr verstärken wird.“ Schon lange würden Verbände mehr Kampf gegen Rassismus fordern. Es gehe um die Änderung von verfestigten Strukturen und „strukturellen Rassismus in der Polizei“.

“Unteilbar”-Demonstrationen in der Vergangenheit mit starkem Zulauf

Für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sagte die Vize-Vorsitzende Christine Behle: „Wir stehen in den nächsten Monaten vor einer politischen Richtungsentscheidung.“ Wirtschaftsvertreter und Konservative würden wegen der Corona-Krise eine Kürzung der Sozialausgaben verlangen. „Dabei brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Sozialstaat und soziale Sicherung auch in der Krise.“ Es gehe um Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen.

Bereits in den vergangenen Jahren waren mehrfach Tausende Menschen dem Aufruf des Bündnisses „Unteilbar“ zu Protesten gefolgt: Im Oktober 2018 waren es in Berlin einige Zehntausend Menschen. Im August 2019 gingen in Dresden vor der Landtagswahl in Sachsen Zehntausende Menschen gegen Rassismus und Ausgrenzung auf die Straße. Und im Oktober 2019 waren es nach dem Terroranschlag von Halle wiederum einige Tausend Menschen in Berlin.

RND/dpa