Freitag , 25. September 2020
Sebastian Meller (von links), Friederike Twele, Hund Otto und Holger Volk arbeiten an der Tierärztlichen Hochschule zusammen. Sie wollen herausfinden, ob Hunde das Sars-Cov-2-Virus erschnüffeln können. Dafür kooperieren sie mit der Bundeswehr. Quelle: Privat

Können Hunde Corona riechen? Bundeswehrhunde sollen das jetzt testen

Ausgebildete Hunde können nicht nur Drogen oder Sprengstoff erschnüffeln, sondern auch Krebs am Atem eines Menschen erkennen. Forscher aus Hannover wollen Hunden der Bundeswehr nun beibringen, auch das Sars-Cov-2-Virus zu erkennen. Sollten sie Erfolg haben, könnten trainierte Hunde etwa an Flughäfen zum Einsatz kommen.

Hannover. Ein Forscherteam der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover ist gerade dabei, Bundeswehrhunden beizubringen, das Sars-Cov-2-Virus in menschlichem Speichel zu erschnüffeln. Speziell ausgebildete Hunde können bereits Lungen- oder Darmkrebs am Atem eines Menschen erkennen. Andere Hunde warnen Diabetiker vor einer drohenden Unterzuckerung oder Epileptiker vor einem bevorstehenden Anfall. “Deshalb haben wir uns gefragt, ob sie nicht auch Corona riechen können”, erklärt die Tierärztin Friederike Twele.

Twele sucht zusammen mit ihrem Tierarztkollegen Sebastian Meller nach Personen mit positivem Sars-CoV-2-Testergebnis: “Wir brauchen weitere Speichelproben, die für das Training mit den Hunden verwendet werden können”, sagt Meller. Seit zwei Monaten forsche die TiHo bereits in diese Richtung. Die Idee für das Projekt stammt von Prof. Dr. Holger Volk, dem Leiter der TiHo-Klinik für Kleintiere, und seiner Doktorandin Paula Jendrny.

Forscher nutzen ungefährliche Corona-Proben

Jendrny betreut seit Anfang dieser Woche eine erste Trainingsreihe in einem Bundeswehrstützpunkt in der Vulkaneifel. “Wir haben elf Sars-CoV-2-Proben von der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erhalten. Damit arbeiten wir zurzeit.” Die Proben wurden von Prof. Dr. Albert Osterhaus, Prof. Dr. Maren von Köckritz-Blickwede und Dr. Claudia Schulz am Research Center for Emerging Infections and Zoonoses (RIZ) der TiHo inaktiviert. Das heißt, das Virus ist in den Proben zwar noch enthalten, für Hund und Mensch aber keine Gefahr mehr.

Für das Training nutzt das Forscherteam eine Apparatur, die von der Polizei in Nordrhein-Westfalen entwickelt wurde: “Die Maschine arbeitet nach einem automatisierten Verfahren. Riecht der Hund eine positive Probe, soll er das anzeigen. Zeigt er richtig an, bekommt er eine Belohnung”, erklärt Meller.

Hunde könnten an Flughäfen und Messehallen schnüffeln

Ob das Experiment gelingt und die Tiere eine Virusinfektion tatsächlich valide erkennen können, sei momentan noch sehr schwer zu sagen. Aber: “Wir sind durchaus optimistisch. Die ersten Trainingstage sind gut verlaufen.” Es blieben allerdings noch einige Hürden. So müssten mehr Trainings mit mehr Proben absolviert werden. Die möglichen Trainingserfolge müssten mit anderen Proben gegengeprüft werden. Die Trainings müssten dann mit nicht inaktivierten Proben wiederholt werden.

Wenn die Forscher erfolgreich sind, könnten die Hunde an Flughäfen, Grenzen oder an den Eingängen zu Großveranstaltungen zum Einsatz kommen. Wie massentauglich der Spürnasentest ist, bleibt zudem ebenfalls abzuwarten. Zwar könnten auch normale Familienhunde mithilfe der Trainingsmaschine relativ schnell erste Erfolge feiern, die Ausbildung echter Profispürhunde dauert allerdings Jahre und ist ziemlich kostenintensiv. Ein vorstellbares Szenario wäre, dass Menschen am Flughafen in ein Schälchen spucken und der Hund daran riecht. Denkbar wäre es auch, die Hunde so zu trainieren, dass sie nur am Menschen riechen müssten, um das Virus zu erkennen. Das sei jedoch aus ethischen Gesichtspunkten nicht möglich.

Der Hochschule fehlen positive Speichelproben

“Unser größtes Problem ist momentan aber, dass wir zu wenige positive Speichelproben haben”, sagt Meller. Personen, die positiv auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden sind, werden daher gebeten, Kontakt zu den Forschern aufzunehmen. Schicken Sie hierzu eine Nachricht unter folgender E-Mail-Adresse an das Forscherteam der TiHo. Die Adresse lautet: vae.kleintierklinik@tiho-hannover.de. Die Proben werden von der TiHo anonymisiert aufgenommen.

Von Tobias Welz/RND