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Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" sucht im Mittelmeer nach Öl- und Gasvorkommen. Quelle: Ibrahim Laleli/DHA/AP/dpa

Öl- und Gas-Streit im Mittelmeer geht weiter – trotz “Dialogbereitschaft”

Der türkische Präsident verweist im Streit um Seegebiete darauf, das griechische Inseln oft nur wenige Kilometer vom türkischen Festland entfernt liegen. Mitsotakis dankt Macron für Beistand im Streit mit der Türkei. Obwohl beide Seiten Dialogbereitschaft bekunden, ist keine Lösung in Sicht.

Athen. Im Streit um die Rechte an möglichen Öl- und Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer haben Athen und Ankara am Donnerstag Dialogbereitschaft bekundet. In der Sache blieben aber sowohl der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als auch der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hart: Erdogan nannte die griechischen Ansprüche “in der Ägäis und dem Mittelmeer infam” und Mitsotakis warnte angesichts der von beiden Seiten in die Region beorderten Kriegsschiffe vor der Gefahr eines Unfalls.

Türkisches Forschungsschiff sucht nach Öl und Gas

Erdogans Regierung lässt ein von Kriegsschiffen begleitetes Forschungsschiff zwischen Kreta und Zypern nach Öl- und Gasfeldern suchen. Er sprach sich für “Dialog und Verhandlung” als Weg zu einer Lösung der Gebietsstreitigkeiten aus. “Eine Formel, begründet auf einer Win-Win-Lösung, die die Rechte aller schützt, kann gefunden werden, wenn wir alle mit gesundem Menschenverstand und Vernunft handeln.” Er werde noch im Verlauf des Donnerstags mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Ratspräsident Charles Michel darüber sprechen.

Zum Athener Standpunkt, dass die Seegebiete mit den möglichen Öl- und Gasvorkommen zum griechischen Festlandsockel gehören, sagte Erdogan, die griechische Insel, die als Beleg dafür angeführt werde, sei gerade mal zwei Kilometer von der türkischen Küste entfernt - und mehrere Hundert vom griechischen Festland. "Wir lassen uns unsere Rechte nicht wegnehmen."

Erdogan kritisierte Frankreichs Ankündigung, seine Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer vorübergehend zu verstärken. Damit würden Griechenland und Zypern zu "falschen Schritten" verleitet.

Mitsotakis dankt Macron

Mitsotakis dankte indes dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron für dessen Ankündigung, seine Militärpräsenz zu verstärken. Macron sei "ein wahrer Freund Griechenlands und ebenso ein glühender Beschützer europäischer Werte und des internationalen Rechts", sagte er.

Athen forderte die türkischen Schiffe auf, das Gebiete zu verlassen und schickte weitere Kriegsschiffe in die Region. Mitsotakis warnte in einer Fernsehansprache vor der "Gefahr eines Unfalls" in der aufgeheizten Situation. Griechenland sei nicht gegen Dialog, "auch nicht den härtesten". Allerdings werde ein Dialog irrelevant "in einem Klima der Spannung und Provokation."

Griechenland und Türkei sind beide Nato-Mitglieder.

RND/AP