In Belarus kommt es bei Demonstrationen gegen die Regierung immer wieder zu Ausschreitungen. Quelle: Getty Images

Proteste in Belarus: Demonstrant stirbt in Militärkrankenhaus

Die Lage in Belarus spitzt sich weiter zu: Bei den andauernden Protesten sind mittlerweile weitere Demonstranten festgenommen wurden. Ein Demonstrant, der bereits vor einer Woche verletzt wurde, ist zudem seinen Verletzungen erlegen.

Minsk. Im Zuge der Massenproteste in Belarus (Weißrussland) gegen Staatschef Alexander Lukaschenko hat es ein weiteres Todesopfer gegeben. Ein Demonstrant sei am Mittwoch in einem Militärkrankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen, teilte das Gesundheitsministerium in Minsk im Nachrichtenkanal Telegram mit. Der 43-Jährige war bei einer Demonstration vor einer Woche in der Stadt Brest an der Grenze zu Polen schwer verletzt worden.

An diesem Tag hatten Sicherheitskräfte nach Angaben des Innenministeriums bei Protesten scharfe Munition eingesetzt. Zunächst seien Warnschüsse abgegeben, dann sei gezielt geschossen worden, hieß es. Dabei sei ein Mensch verletzt worden. Die Tochter des Mannes sagte dem unabhängigen Portal tut.by, ihr Vater habe eine Schusswunde am Kopf mit schwerem Hirnschaden gehabt.

Bei den seit mehr als einer Woche andauernden Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentenwahl sind bislang mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Bereits am Wochenende nahmen Tausende Menschen bei Trauerfeiern Abschied von zwei Demonstranten.

Weitere Verhaftungen bei Demonstrationen

Nach der Bildung eines oppositionellen Übergangsrates haben die Behörden außerdem weitere Aktivisten verhaftet. Vor dem seit Montag bestreikten Minsker Traktorenwerk seien Dutzende Menschen verhaftet worden, sagte der Vorsitzende des Streikkomitees, Sergej Dylewski, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Das Innenministerium sprach von lediglich zwei Festnahmen. Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja rief die EU auf, die Wahlen vom 9. August nicht anzuerkennen.

Amtsinhaber Alexander Lukaschenko hatte die Abstimmung nach Angaben der Wahlkommission mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen, während Tichanowskaja nur zehn Prozent erhielt. Viele halten diese Zahlen für dreisten Betrug. Die täglichen Proteste dagegen sind trotz des brutalen Vorgehens der Polizei und mehr als 7000 Festnahmen immer größer geworden. Mindestens drei Demonstranten wurden getötet. Allein am Sonntag forderten etwa 200 000 Menschen den Rücktritt des seit 26 Jahren regierenden Präsidenten. Dabei hielt sich die Polizei anders als in den ersten Tagen zurück. In vielen großen Industriebetrieben wurde gestreikt.

Lukaschenko entschieden gegen Wahlwiederholung

Lukaschenko warf der Opposition vor, ihr am Dienstag angekündigter "Koordinierungsrat" laufe auf eine Art Alternativregierung hinaus und sei ein versuchter Staatsstreich. Beteiligte könnten verfolgt werden. "Falls jemand denkt, die Regierung sei gebeugt oder taumelt, liegt Ihr falsch", sagte Lukaschenko bei einem Treffen mit Sicherheitsbeamten. "Wir werden niemals wanken." Forderungen nach einer Wahlwiederholung wies er zurück.

Tichanowskaja sagte, der "Koordinierungsrat" solle durch Dialog eine friedliche Machtübergabe organisieren. "Lukaschenko hat alle Legitimität in den Augen unserer Nation und der Welt verloren", sagte sie in einer Video-Botschaft. Die EU dürfe die "betrügerischen Wahlen" nicht anerkennen.

Westliche Staaten haben die Wahl als weder frei noch fair bezeichnet und das gewaltsame Vorgehen der Einsatzkräfte gegen Demonstranten kritisiert. Die EU bereitet eine Liste mit Namen belarussischer Regierungsbeamter vor, gegen die Sanktionen verhängt werden könnten. Was in Belarus geschehe, sei nicht akzeptabel, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel in seiner Einladung für einen Sondergipfel, der am Mittwoch stattfand. Die "Gewalt gegen friedliche Demonstranten war schockierend und muss verurteilt werden. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", forderte er.

RND/dpa/AP