Dienstag , 27. September 2022
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Julia Skripal, Tochter des ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal, wurde 2018 wie ihr Vater in Großbritannien vergiftet.

Das Nawalny-Schicksal: Diese prominenten Russen wurden mutmaßlich vergiftet

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny liegt nach einer mutmaßlichen Vergiftung im Koma. Er wäre nicht der erste Russe, der solch einem Anschlag zum Opfer fiele. Unter ihnen waren unter anderem auch Sergej und Julia Skripal - ein Überblick.

Sollte der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny wie von seinen Unterstützern vermutet vergiftet worden sein, wäre er einer von mehreren prominenten Russen, die Opfer eines solchen Angriffs geworden sind. Im Folgenden Personen, die den Kreml kritisiert hatten und anschließend mutmaßlich vergiftet wurden:

Alexander Litwinenko

Der frühere KGB-Agent Alexander Litwinenko hatte sich 2000 von Russland losgesagt und war nach London geflohen. Sechs Jahre später wurde er mit dem radioaktiven Polonium-210 vergiftet, als er damit versetzten Tee trank. Drei Wochen später starb er. Einer britischen Untersuchung zufolge ermordeten russische Agenten Litwinenko, wahrscheinlich mit Erlaubnis des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die russische Regierung bestritt, darin involviert gewesen zu sein.

Vor seinem Tod hatte Litwinenko Journalisten gesagt, dass die Nachfolgebehörde des KGB, FSB, noch immer ein geheimes Giftlabor in Moskau aus der Zeit der Sowjetunion betreibe. Litwinenko war einer von mehreren früheren russischen Geheimdienstbeamten, die der russischen Regierung vorwarfen, den ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko während dessen Wahlkampf 2004 vergiftet zu haben.

Anna Politkowskaja

Die Investigativjournalistin Anna Politkowskaja hatte kritisch über Verstöße durch russische und moskaufreundliche tschetschenische Kräfte berichtet, die gegen Separatisten in Tschetschenien kämpften. Dafür bekam sie wiederholt Todesdrohungen.

2004 wurde sie schwer krank, nachdem sie eine Tasse Tee getrunken hatte. Politkowskaja sagte, sie sei absichtlich vergiftet worden, um sie daran zu hindern, über die Einnahme einer Schule im Süden Russlands durch islamische Separatisten in dem Jahr zu berichten.

2006 wurde Politkowskaja vor ihrem Wohngebäude in Moskau erschossen. Der Mord wurde vom Westen angeprangert. Fünf Männer wurden wegen der Tötung verurteilt. Als Drahtzieher wurde niemand verurteilt.

Wladimir Kara-Mursa

Der Oppositionsaktivist Wladimir Kara-Mursa junior kam zwei Mal mit Vergiftungssymptomen in ein Krankenhaus. Er überlebte. Der Vertraute des 2015 erschossenen russischen Oppositionsführers Boris Nemzow und des Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski starb bei dem ersten Vorfall 2015 fast an Nierenversagen. Die Krankheitsursache wurde nicht festgestellt.

2017 wurde er mit einer ähnlichen Erkrankung in ein Krankenhaus gebracht. Er kam in ein künstliches Koma. Seine Frau teilte mit, Ärzte hätten bestätigt, dass der Journalist vergiftet worden sei. Laut Kara-Mursas Rechtsvertretung hat sich die Polizei geweigert, den Fall zu untersuchen.

Sergej und Julia Skripal

Zwei mutmaßliche Opfer waren 2018 in der britischen Stadt Salisbury der russische Spion Sergej Skripal, der für Großbritannien spionierte, und seine Tochter Julia. Nach Behördenangaben wurden die beiden mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet.

Großbritannien machte für den Vorfall den russischen Geheimdienst zuständig. Die russische Regierung wies Vorwürfe diesbezüglich zurück. Putin sagte, Skripal sei für seine Regierung nicht von Interesse, weil diesem in Russland der Prozess gemacht und dieser 2010 bei einem Gefangenenaustausch übergeben worden sei.

Von britischer Seite wurden zwei Russen wegen der Vergiftung beschuldigt. Diese gaben an, sie hätten Salisbury als Touristen besucht. Sie seien nicht in den Angriff involviert gewesen.

Pjotr Wersilow

Der Aktivist Pjotr Wersilow von der Protestgruppe Pussy Riot kam 2018 nach einer mutmaßlichen Vergiftung auf die Intensivstation und wurde zur Behandlung nach Berlin geflogen. Deutsche Ärzte hielten eine Vergiftung für wahrscheinlich. Wersilow erholte sich von seiner Krankheit.

2018 hatten Wersilow und zwei weitere Mitglieder von Pussy Riot eine Gefängnisstrafe auf sich genommen, weil sie beim Finale der Fußballweltmeisterschaft in Moskau auf das Spielfeld gerannt waren. Sie wollten damit gegen übermäßige Polizeibefugnisse protestieren. Wersilow war auch wegen anderer Vorwürfe in Haft, die er als politisch motiviert bezeichnet.

RND/AP