Mittwoch , 28. Oktober 2020
Schlägt eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz vor: CDU-Chefin und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Quelle: Christian Charisius/dpa

Die Maske ist ein Superheld – aber nicht das Allheilmittel

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz angeregt. Doch um die Infektionszahlen wieder in den Griff zu bekommen, wären andere Schritte sinnvoller, meint RND-Autor Thorsten Fuchs.

Berlin. Die Maske hat in den vergangenen Monaten eine wirklich steile Karriere hingelegt. Anfangs von vielen westlichen Wissenschaftlern als nutzlos oder gar schädlich geschmäht, hat sie inzwischen längst Superheldenstatus – als Allheilmittel und größter Hoffnungsträger im Kampf gegen das Virus.

Neuestes Beispiel: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer regt eine allgemeine, bundesweite Maskenpflicht am Arbeitsplatz und eine Ausweitung in Schulen an.

Die Idee ist nachvollziehbar, schließlich gilt es, neue Schul- und Betriebsschließungen zu verhindern. Mund-Nasen-Bedeckungen sind ein effektives Mittel gegen die Verbreitung des Virus – und ein vergleichsweise kleiner Eingriff in die Freiheit des Einzelnen.

Dennoch geht der Vorschlag in seiner Pauschalität zum jetzigen Zeitpunkt fehl. Es gibt Betriebe – und glücklicherweise auch einige Schulen –, die so groß und gut zu lüften sind, dass Abstand und Sauerstoff hier die weit wirksamere Corona-Prophylaxe darstellen. Masken dagegen können leicht als falsches Alibi dienen, nach dem Motto: Wir haben jetzt die Masken, da können wir uns auch wieder zu zehnt in den alten Konferenzraum hocken.

Und schließlich ignoriert der Vorschlag, dass sich Büros und Betriebe (wenn in ihnen nicht gerade Schweine zerlegt werden) bislang nicht als Infektionsherde erwiesen haben.

Was man dagegen weiß ist: Dass Enge, geschlossene Räume und Alkohol dem Virus beste Bedingungen bieten. Wenn die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten bei ihrer Konferenz am Donnerstag nach einem Feld suchen, auf dem bundesweit striktere Regeln sinnvoll wären, dann sollten sie über eine Begrenzung der Teilnehmerzahlen bei privaten Feiern und Versammlungen dringend reden.

Von Thorsten Fuchs/RND