Donnerstag , 20. Januar 2022
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Alexej Nawalny gibt bei Regionalwahlen in Russland seine Stimme ab. Quelle: imago images/ITAR-TASS

Bericht: Charité bittet im Fall Nawalny Bundeswehr um Hilfe

Nach der mutmaßlichen Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny vermuten Experten der Berliner Charité einen chemischen Kampfstoff als Grund. Einem Bericht zufolge haben die Ärzte nun Hilfe der Bundeswehr erbeten. Dort arbeiten demnach die deutschlandweit besten Kenner von Giften und chemischen Kampfstoffen.

Berlin. Experten der Berliner Charité gehen bei Kremlkritiker Alexej Nawalny offenbar von einer Vergiftung mit einem chemischen Kampfstoff aus. Wie der “Spiegel” berichtet, haben die Ärzte der Klinik deshalb auf diskretem Wege Hilfe der Bundeswehr erbeten. Die Truppe habe in München ein Labor für Toxikologie und Pharmakologie, in dem die deutschlandweit besten Experten für Gifte und chemische Kampfstoffe arbeiteten, heißt es.

Dem Bericht zufolge sei zudem das britische Forschungszentrum für Bio- und Chemiewaffen in Porton Down angefragt worden. Dabei handelt es sich um das Labor, das auch den mutmaßlichen Giftanschlag mit Nowitschok auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal mit untersucht hatte. Der ehemalige sowjetische Oberst war im März 2018 in der englischen Stadt Salesbury zusammen mit seiner Tochter bewusstlos aufgefunden worden. Die wahrscheinliche Vergiftung hatte eine diplomatische Krise zwischen Großbritannien und Russland ausgelöst.

Nawalny: Merkel erkundigt sich täglich nach Gesundheitszustand

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll indes sehr besorgt um Nawalny sein. Laut einem Bericht erkundigt sie sich täglich nach ihm. Der russische Oppositionelle war in der vergangenen Woche ins Koma gefallen und am Samstag nach Deutschland ausgeflogen worden. Dafür hatte sich auch die Kanzlerin eingesetzt.

Kreml bezeichnet Rückschlüsse als “vorschnell”

Nawalnys Team war schon unmittelbar nach dessen Zusammenbruch von einer Vergiftung überzeugt gewesen. Ärzte der Berliner Charité hatten Anfang der Woche bekannt gegeben, nach umfassenden Untersuchungen ebenfalls von einer Vergiftung auszugehen. Nawalnys Zustand wurde zuletzt als nicht lebensgefährlich beschrieben.

Der Kreml hatte die Rückschlüsse der Ärzte in Berlin als “vorschnell” bezeichnet. International war von Russland eine lückenlose Aufklärung des Falls gefordert worden. Nawalny ist als scharfer Kritiker von Präsident Wladimir Putin bekannt und gilt als Führungsfigur der Oppositionellen in Russland.

RND/cz