Englische und schottische Spieler knien vor ihrem EM-Vorrundenspiel am Freitag. Quelle: Nick Potts/PA Wire/dpa

Briten streiten über den Kniefall gegen Rassismus

Englands Nationalspieler gehen vor dem Anpfiff ihrer EM-Spiele auf die Knie, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, bei der Partie im Wembley-Stadion schließen sich die Schotten an. Ein wichtiges Zeichen oder „Gestenpolitik“? Im Königreich streiten Politiker und Beobachter, Fans und Aktivisten über diese Frage.

London. Im Königreich wird die Diskussion um die Regenbogenbeleuchtung der Münchner Allianz-Arena zwar wahrgenommen, doch die Briten sind mit ihrer eigenen, mitunter bitter geführten Debatte beschäftigt. Sie dreht sich um Rassismus.

Als Englands Nationalspieler vor dem Anpfiff ihrer Testspiele auf die Knie gingen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, wurden sie von einem Teil der eigenen Anhänger ausgebuht und ausgepfiffen. In den Medien stritten daraufhin Politiker und Beobachter, Fans und Aktivisten, ob es sich um eine „Gestenpolitik“ handelt, wie die Innenministerin Priti Patel kritisierte, oder vielmehr ein wichtiges Zeichen der jungen, selbstbewussten und vielfältigen Mannschaft darstellt. „Wir haben unsere eigenen Sichtweisen, was wir tun können, um zu helfen – und was Einfluss haben kann“, sagte Abwehrspieler Tyrone Mings.

Trainer Gareth Southgate schreibt Brief an Fans

Vergangene Woche beim Spiel im Wembley-Stadion schlossen sich die Schotten aus Solidarität zu England der symbolischen Geste an. Ermutigt werden Kicker wie Raheem Sterling auch von Trainer Gareth Southgate, der sich beinahe zu so etwas wie einem moralischen Anführer in dem polarisierten Land entwickelt hat. So verteidigt er nicht nur unentwegt seine Spieler gegen die ständigen rassistischen Beleidigungen im Netz wie auf dem Platz, sondern würdigte auch den Kniefall und den politischen Mut, den seine Schützlinge damit zeigen.

„Ich habe nie geglaubt, dass es für uns nur um den Fußball gehen sollte“, schrieb Southgate kürzlich in einem emotionalen offenen Brief, der mit „Dear England“ überschrieben war. „Ich verstehe, dass wir auf dieser Insel den Wunsch haben, unsere Werte und Traditionen zu schützen – was wir auch tun sollten. Aber das sollte nicht auf Kosten von Selbstreflexion und Fortschritt passieren.“ Die Spieler seien Vorbilder, so Southgate in dem Appell, mit dem er die Engländer hinter dem Team zu vereinen versuchte. „Und über die Grenzen des Spielfelds hinaus müssen wir erkennen, welchen Einfluss sie auf die Gesellschaft haben können. Wir müssen ihnen das Selbstvertrauen geben, für ihre Mannschaftskameraden und die Dinge einzutreten, die ihnen als Menschen wichtig sind.“

Von Katrin Pribyl/RND