Donnerstag , 27. Januar 2022
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Niederlage für den „Djoker“: Novak Djokovic muss Australien nach jetzigem Stand verlassen. Quelle: imago images/Hasenkopf

Novak Djokovic hat riskant gespielt – und (vorläufig) verloren

Im Fall Novak Djocovic bleibt Australien hart: Die Regierung hat dem Tennisstar erneut das Visum entzogen. Es ist die richtige Entscheidung, kommentiert Imre Grimm. Denn auch für Superstars gilt der Grundsatz: gleiches Recht für alle.

Australien kennt kein Pardon. Der serbische Tennisstar Novak Djokovic darf nach einer Entscheidung der Regierung wahrscheinlich nicht an den Australian Open teilnehmen. Er und seine Anwälte haben die Entscheidung aber angefochten – nun entscheidet das Bundesgericht am Sonntag endgültig über das Schicksal des Tennisstars. Vorläufig aber hat er in drei Sätzen verloren. Die Entscheidung, ihm das Visum zu entziehen, ist richtig.

Denn das Recht gilt für alle, auch für serbische Superstars. Djokovic hat für jeden offensichtlich mit allerlei Tricks versucht, sich trotz rigider Anti-Corona-Regeln der australischen Behörden Zugang zu den Australian Open zu verschaffen. Als Märtyrer ungeimpfter Corona-Skeptiker taugt er nicht. Denn das Problem ist nicht, dass er nicht geimpft ist. Das ist seine freie Entscheidung.

Das Problem ist in diesem Fall auch nicht, dass er in der Vergangenheit allerlei Merkwürdigkeiten zur Impfdebatte von sich gegeben hat oder dass ihn seine Familie in seltsam überdrehten Pressekonferenzen als Heiligenfigur im Kampf gegen die Ungerechtigkeiten der Welt inszenierte.

Australian Open ohne Djokovic? In seiner Welt undenkbar

Das Problem ist schlicht und einfach, dass er trotz seiner persönlichen Anti-Impf-Entscheidung mit moralisch fragwürdigen Mitteln das Privileg für sich in Anspruch nehmen wollte, sich über die australischen Regeln zur Pandemiebekämpfung hinwegzusetzen – offenbar in der Annahme, auf ihn als glamourösen Titelverteidiger könne ein derart prestigeträchtiges Sportevent nicht verzichten. Bei seinen Sportkollegen im Tenniszirkus hat er damit vor allem eine Reaktion erzeugt: allgemeines Kopfschütteln.

Djokovic gegen Australien – das ist kein edler David-gegen-Goliath-Wettstreit eines Underdogs gegen einen übelwollenden Staat im Würgegriff von Corona-Maßnahmen, sondern schlicht ein Lackmustest für die Wirksamkeit geltenden Rechts auch in einer Branche, die es gewohnt ist, Privilegien für selbstverständlich zu halten. Dass ihm ein Gericht zwischenzeitlich Recht gab, bezog sich allein auf den zeitlichen Ablauf des ersten Visumsentzugs, nicht auf die Grundsatzfrage, ob Djokovic das Recht auf Einreise hat oder nicht.

Gewiss ist es unnötig demütigend, Djokovic in einem Abschiebehotel unterzubringen. Das schürt bloß nationalistische Aufwallungen in Serbien, wo Medien sogleich von „Lynchstimmung“ schrieben und den Fall seit Tagen für zum heroischen Kampf stilisieren. Möglich, dass sich auch Australien im symbolhaften Bemühen um eine stringente Corona-Politik strategisch verrannt hat.

Warum dauerte die Entscheidung so lange? Warum haben die Einwanderungsbehörden, der Staat und das Team Djokovic die Modalitäten seiner Teilnahme nicht still und leise im Vorfeld geklärt? Es schien vermeidbar, dass der Fall derart eskaliert. Nun ist das Klima vergiftet. Djokovic hat riskant gespielt – und (vorläufig) verloren.

Von Imre Grimm/RND