Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Von 2008 bis 2021 war Arnd Peiffer im Biathlon-Weltcup aktiv. Er wurde einmal Olympiasieger und fünfmal Weltmeister. Quelle: Barbara Gindl/APA/dpa

„Diese Institution ist aus der Zeit gefallen“: Ex-Biathlet Peiffer fordert mehr Nachhaltigkeit vom IOC

Höher, schneller, weiter: Das einstige olympische Motto gilt auch immer mehr für die Größe der Olympischen Spiele. Ex-Biathlet Arnd Peiffer findet es „ziemlich absurd“, wenn wie in Peking monströse Sportanlagen komplett neu gebaut werden. Im Podcast „Klima und wir“ spricht er darüber, wie nachhaltige Spiele aussehen können und was das IOC verändern sollte.

Gigantische Wettkampfstätten, 100 Prozent Kunstschnee, Umsiedlungen und die Verkleinerung eines Naturschutzgebietes: Expertinnen und Experten bewerten die Olympischen Winterspiele von Peking als so wenig nachhaltig wie noch nie – während das chinesische Organisationsteam das Gegenteil behauptet. Dabei wurden allein die Skisprungschanze und die Bobbahn für mutmaßliche 2,36 Milliarden Euro neu gebaut.

„Es ist schon vieles ziemlich absurd“, sagt der ehemalige Biathlet Arnd Peiffer dem RedaktionsNetzwek Deutschland (RND). Im Podcast „Klima und wir“ kritisiert er das Internationale Olympische Komitee (IOC), dass es bei der Vergabe und Organisation der Olympischen Spiele so wenig auf Nachhaltigkeit setzt – insbesondere im Fall Peking. „Es ging darum, zu zeigen, dass man es schafft, Spiele an einen Ort zu zimmern, der nicht unbedingt dafür geeignet ist. Das ist rückständig. Jedem ist klar, dass die das können. Aber die Frage ist ja, ob sie es vielleicht auch kleiner oder nachhaltiger hinbekommen hätten“, sagt er.

Generell betrachtet er die Entwicklungen der vergangenen Jahre enorm skeptisch. Denn auch bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang und 2014 in Sotschi seien die Voraussetzungen ähnlich gewesen. „Mit Sotschi, Pyeongchang und Peking sind es jetzt drei Spiele infolge, wo sämtliche Anlagen neu gebaut wurden und nicht wirklich genutzt wurden“, sagt Peiffer. „Es hat mich dort auch schon gestört. Das ist eine Sackgasse.“ Deswegen fordert er vom IOC, Nachhaltigkeit künftig wieder mehr in den Fokus zu nehmen. Seiner Ansicht nach sollte die Natur „möglichst wenig beeinflusst“ und „möglichst wenig Ressourcen verschwendet“ werden.

Peiffer: IOC zerstört den olympischen Mythos

Der Sprint-Olympiasieger bezeichnet von 2018 die gesamte Entwicklung des IOC als verheerend. „Diese Institution ist aus der Zeit gefallen. Auch der Versuch, alles erstrahlen zu lassen und damit sämtliche negative Aspekte zu verdecken, funktioniert nicht mehr“, sagt er. Peiffer fordert daher, das Leitbild grundsätzlich zu überdenken: „Es ist ein hervorragender Gedanke für Völkerverständigung, Fairness und Toleranz zu sorgen. Das steckt alles in der Charta, es wird aber nicht vorgelebt.“ Seiner Ansicht nach wird so der olympische Mythos zerstört.

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Damit ist er nicht allein. Peiffer erzählt im Podcast auch vom Austausch mit seinen Kolleginnen und Kollegen: „Die meisten hätten es lieber, wenn die Spiele ein paar Nummern kleiner wären.“ Aber der 34-Jährige zeigt sich auch selbstkritisch. „Wir haben einen relativ großen Co₂-Fußabdruck und das ist mir auch bewusst“, gibt Peiffer zu. „Deswegen ist es immer ein Dilemma, als Athlet zu sagen, dass das Nachhaltigkeitskonzept nicht so toll ist, weil wir Teil des Ganzen sind.“

Auch wenn Peiffer glaubt, dass Athletinnen und Athleten ihre Stimme erheben können, um etwas an der Situation zu verändern, lehnt er einen sportlichen Boykott ab. Vielmehr sieht er die Sponsoren in der Pflicht. „Die Athletinnen und Athleten sind Statisten und schneiden sich ins eigene Fleisch, wenn sie nicht hinfahren. Den größten Hebel haben die Sponsoren“, meint er. „Wenn die irgendwann sagen, wir wollen ein wirklich nachhaltiges Konzept, dann passiert was.“

In „Klima und wir – Wegweiser in eine nachhaltige Zukunft“ kommen Menschen zu Wort, die etwas zum Klima zu sagen haben – weil sie unter den Folgen der Krise leiden, als Wissenschaftlerinnen am Thema forschen oder sich als Aktivisten für mehr Klimaschutz engagieren. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage: Was muss sich jetzt ändern – und wie geht das konkret?

Ob Verkehr, Landwirtschaft oder Energie: „Klima und wir“ schafft Verständnis für die systemischen Zusammenhänge einer Krise, die uns alle betrifft, und zeigt Lösungen aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Alle zwei Wochen immer dienstags gibt’s eine neue Folge.

Ihr habt Ideen und Feedback für uns? Schreibt uns eine E-Mail an klimaundwir@rnd.de und folgt uns auf Instagram: @klimaundwir .

Von Chantal Ranke/RND