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Will wieder zupacken, notfalls auch im Elfmeterschießen: Liverpools Trainer Jürgen Klopp.

Brandenburger Firma unterstützt FC Liverpool

Der FC Liverpool will gegen Real Madrid das Finale der Champions League gewinnen – mit Methoden aus dem Land Brandenburg. Vor allem im Elfmeterschießen könnte Klopps Elf einen Vorteil haben.

Potsdam. Patrick Häntschke durfte in dieser Woche nicht viel verraten, dafür steht zu viel auf dem Spiel. Die Fragen an den gebürtigen Wittstocker musste die „MAZ“ deshalb schriftlich einreichen, beantwortet wurden nicht alle, es gilt Geheimhaltungsstufe 1 – und ein bisschen lässt sich das auch nachvollziehen. Immerhin empfängt an diesem Samstagabend in Paris der englische Fußballriese FC Liverpool den spanischen Giganten Real Madrid zum Champions-League-Finale. Und Häntschkes Expertise könnte den Ausschlag über Sieg oder Niederlage geben. „Kontrolliere dein Gehirn, wenn’s wirklich zählt“, verspricht seine Firma.

Was fast zu schön klingt, um wahr zu sein, scheinen der 34-Jährige und sein Geschäftspartner Niklas Häusler geschafft zu haben: Eine wissenschaftliche Anleitung für einen sicheren Sieg im Elfmeterschießen zu geben. Zumindest vertraut der Liverpooler Trainer Jürgen Klopp auf die Arbeit und die Methoden der von Häntschke und Häusler gegründeten Firma „neuro 11“, die in Potsdam ihren Sitz hat.

Ein faktenbasiertes Hirntraining habe „neuro 11“ entwickelt, wirbt Klopp, „das sich super in unsere bestehenden Trainingsabläufe integrieren lässt“. Die mentalen Fähigkeiten seiner Spieler habe die Firma verbessert und damit einhergehend eben auch die Schusspräzision. Insbesondere bei Standardsituationen – Elfmeter, Freistöße, Eckbälle – soll die Zusammenarbeit mit „neuro 11“ fruchten.

Zuletzt war das beim jüngsten Sieg vom Punkt zu bestaunen, als die Liverpooler den FC Chelsea im Endspiel um den FA Cup bezwangen (6:5), und davor schon mal Ende Februar dieses Jahres, als bei der gleichen Paarung um den Ligapokal ebenfalls Klopps Mannschaft den Sieg im Elfmeterschießen davontrug (11:10). Mit dabei im Februar: Häntschke und Häusler, die der Verein prompt mit dem altehrwürdigen Pott ablichten ließ. Man ahnt, dass ihr Anteil an den Liverpooler Finalsiegen kein geringer sein kann. Der dritte Sieg in einem Endspiel an diesem Samstag wäre dann die Krönung – womöglich ja wieder im Elfmeterschießen.

In den „Flow“ oder die „Zone“ kommen

Wie das Programm für präzise Elfmeterschüsse genau funktioniert, darf Häntschke aus naheliegenden Gründen natürlich nicht preisgeben. Es gehe aber darum, die Spieler in ihre Zone zu bringen, in einen regelrechten Flow. Gemeint ist damit ein nervlicher Zustand, der die Spieler so selbstsicher auftreten lässt wie Asterix nach einem Schluck Zaubertrank. „Wenn der Spieler im ‚Flow‘ oder in der ‚Zone‘, wie man es umgangssprachlich bezeichnet, ist, dann befindet er sich in einem ganz bestimmten Hirnzustand“, erklärt Häntschke.

Durch publizierte Studien und interne Versuche hätten er, Häusler und andere Forschungsgruppen herausgefunden, wie man diesen Zustand messen und direkt auf dem Platz trainieren könne. „Dieser Zustand ist dann mit einer optimalen Ausführung des motorischen Programms, also der optimalen Bewegung assoziiert. Dadurch trainieren wir letztlich die Präzision.“ Dass sich motorische Programme besonders für Standards eignen, liegt nahe, weil in diesen Situationen der Bewegungsablauf des Schützen durch keinen Fremdkontakt gestört wird.

Häntschke spielte für Energie Cottbus

Was konkret bei einem entscheidenden Elfmeter, etwa in einem Champions-League-Finale, im Gehirn eines Spielers abläuft, will Häntschke, man ahnt warum, nicht verraten. Jedenfalls glauben er und „neuro 11“, ihre Schlüsse daraus gezogen zu haben.

Aus eigener Erfahrung weiß Häntschke jedenfalls, wie stressig Elfmeterschüsse im Wettkampf sein können. Der 34-Jährige wechselte als Zwölfjähriger nach Cottbus auf die Sportschule und wurde mit dem FC Energie unter anderem deutscher B-Jugend-Vizemeister. Später spielte er für den FC Energie II in der damals noch drittklassigen Regionalliga, für Türkiyemspor und den Berliner AK – doch in den Spitzenfußball spülte es ihn erst nach seiner aktiven Karriere.

Feld der Neurowissenschaften biete „riesiges Potenzial“ für den Fußball

Häntschke zog ins Ruhrgebiet und traf nach seinem Masterstudium seinen alten Fußballfreund Niklas Häusler wieder. Der hatte in den Fächern Neurowissenschaften und Psychologie erfolgreich promoviert, „und für mich war schnell klar, dass im Feld der Neurowissenschaften ein riesiges Potenzial für den Fußball liegt. Das war dann die Geburtsstunde von ‚neuro 11‘“, erklärt Häntschke. Die Gründung folgte zunächst in Essen, im September 2020 der Umzug nach Potsdam, im Sommer 2021 dann das erste „neuro 11“-Training mit Klopps Team.

Und falls an diesem Abend das nächste Elfmeterschießen zugunsten der Liverpooler endet, darf Häntschke vielleicht doch ein paar Geheimnisse mehr verraten.

Dieser Text erschien zuerst in der „Märkischen Allgemeinen“.

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Von David Joram/RND