Mittwoch , 30. November 2022
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Schachgroßmeister Hans Niemann (Archivbild) Quelle: Crystal Fuller/Saint Louis Chess

Hans Niemann startet trotz Betrugsvorwürfen bei US-Meisterschaften – und bricht Interview ab

Der 19-jähriger Schachgroßmeister Hans Niemann sieht sich mit schwerwiegenden Betrugsvorwürfen konfrontiert. Dennoch nimmt er an den US-Meisterschaften teil. Nach seinem ersten Spiel hat er sich gegenüber Journalisten geäußert - brach das Interview nach kritischen Nachfragen allerdings ab.

St. Louis. Der unter Betrugsverdacht stehende Schachgroßmeister Hans Niemann ist kurz nach dem Erscheinen eines Untersuchungsberichts bei den US-Meisterschaften in St. Louis/Missouri zu seinem Erstrundenspiel angetreten. Nach dem souveränen Sieg gegen den 15-jährigen Christopher Yoo gab er eine kurze Stellungnahme ab, Nachfragen ließ er nicht zu und brach das Interview dann ab.

Niemann: „Schach spricht für sich selbst“

„Dieses Spiel ist eine Botschaft an alle. Alles hat damit angefangen, dass ich gesagt habe, dass Schach für sich selbst spricht. Ich denke, diese Partie hat für sich selbst gesprochen. Sie hat den Schachspieler gezeigt, der ich bin“, sagte der 19-jährige US-Amerikaner. Die Partie habe zudem verdeutlicht, dass er nicht nachgeben und bei dem Turnier sein bestes Schach spielen werde. „Egal, unter welchem Druck ich stehe. Das ist alles, was ich über diese Partie zu sagen habe. Schach spricht für sich selbst. Das ist alles, was ich sagen kann.“

Auf Nachfragen des Moderators zum Spiel ging er nicht ein, sondern beendete das Gespräch: „Tut mir leid, das war‘s. Sie können das interpretieren, wie sie wollen. Das ist alles, was ich sagen möchte. Das war so ein schönes Spiel, das muss ich nicht beschreiben.“

Weltmeister Magnus Carlsen wirft Jungstar Betrug vor

Niemann steht im Fokus, weil ihm Weltmeister Magnus Carlsen (31) Betrug vorwirft. Anfang September war es zum ersten Vorfall zwischen beiden Großmeistern gekommen. Beim Sinquefield Cup in St. Louis verlor der Superstar aus Norwegen überraschend gegen Niemann und zog sich erstmals in seiner Karriere von einem Turnier zurück.

Niemann gab während des Sinquefield Cups in einem Interview dann zu, zweimal als Teenager im Alter von zwölf und 16 Jahren bei Online-Partien betrogen zu haben, nie jedoch in Präsenz am Schachbrett.

Niemann soll häufiger betrogen haben als eingeräumt

Doch Niemann soll angeblich sogar in mehr als 100 Online-Partien betrogen haben. Das geht aus einem Untersuchungsbericht des Portals chess.com hervor, über den das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Dienstag berichtete. Niemann soll demnach um ein Vielfaches häufiger betrogen haben als bei den zwei Gelegenheiten, die er selbst eingeräumt hatte.

Nach Angaben des WSJ hat Niemann die Anschuldigungen in dem Bericht zugegeben und wurde für einige Zeit von der sowohl bei Amateuren als auch bei Großmeistern beliebten Seite ausgeschlossen. Den Angaben zufolge betrog Niemann zuletzt 2020, auch bei Turnieren, in denen es um Preisgelder ging.

Der Schach-Weltverband hat in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass er eine Untersuchungskommission einsetzen wird.

RND/dpa

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