Plug-in-Hybride stoßen einer neuen Analyse zufolge innerhalb ihrer Lebensdauer 28 Tonnen CO₂ aus – und damit wesentlich weniger, als offizielle Schätzungen vermuten lassen. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn

Umweltorganisation: CO₂-Ausstoß von Plug-in-Hybriden deutlich höher als offizielle Testwerte

Plug-in-Hybride sind Umweltschützern schon länger ein Dorn im Auge. Einer neue Analyse der europäischen Umweltorganisation Transport & Environment zufolge ist die Klimabilanz von Plug-in-Hybriden deutlich schlechter, als Testergebnisse vermuten lassen.

Der tatsächliche CO₂-Ausstoß von Plug-in-Hybridautos ist einer Analyse des europäischen Dachverbands der Verkehrs- und Umweltorganisationen Transport & Environment zufolge mehr als doppelt so hoch wie die Werte aus offiziellen Testergebnissen. Demnach stoßen die Hybridwagen (Phev), die über an der Steckdose aufladbare Batterien verfügen, im Schnitt 117 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer aus – und damit deutlich mehr als die bei offiziellen Tests ermittelten 44 Gramm pro Kilometer. Somit wären die tatsächlichen Emissionen um 265 Prozent höher.

Analyse: Plug-in-Hybride stoßen innerhalb Lebensdauer 28 Tonnen CO₂ aus

Der Umweltorganisation analysierte Daten von 20.000 Plug-in-Hybriden aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden. Diese stammten von Phev-Fahrern, die ihren Kilometerstand und ihren Spritverbrauch für Umfragen zur Verfügung stellten. Wie aus der Analyse hervorgeht, stießen Plug-in-Hybride durchschnittlich 28 Tonnen CO₂ während ihrer gesamten Lebensdauer aus. Zum Vergleich: Herkömmliche Hybridautos stoßen 33 Tonnen, Dieselwagen 40 Tonnen und Benziner 41 Kohlenstoffdioxid aus, berichtet Transport & Environment. Traut man den Ergebnissen, stießen Plug-in-Hybride nur knapp ein Drittel weniger CO₂ als typische Benziner oder Dieselautos aus – und damit wesentlich weniger, als offizielle Schätzungen suggerieren.

Ein zentrales Problem der Plug-in-Hybride sei, dass Besitzer ihre Wagen selten per Steckdose aufladen würden und sich stattdessen auf den Benzin- oder Dieselmotor verließen, berichtet die Umweltorganisation. Zudem hätten viele Modelle eine eingebaute Funktion, die an kalten Tagen automatisch den Verbrennungsmotor beim Starten des Autos einschaltete. Auch wenn Fahrer stark beschleunigten, werde oft automatisch der Sprit verbraucht. Daher sei der CO₂-Ausstoß letztendlich in erster Linie vom Fahrerverhalten abhängig.

Greenpeace und Deutsche Umwelthilfe fordern Stopp von Kaufprämie für Plug-in-Hybride

Auch Greenpeace betont, dass der Spritverbrauch der Plug-in-Hybride ein “Vielfaches über den Händlerangaben liegt” und bezeichnet sie als “Mogelpackungen”. Die Modelle stießen einer Analyse der Umweltschützer zufolge bis zu 500 Prozent mehr Kohlenstoffdioxid aus. Nach Ansicht der Aktivisten sollte die bisherige Kaufprämie für diese Autos gestrichen werden. Das sieht Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, ähnlich. “Wir fordern einen Stopp dieser absurden Förderung klimaschädlicher Plug-in-Hybride”, sagte er Anfang September.

Autoindustrie kritisiert Analyse: Daten veraltet

Die Autoindustrie räumt ein, dass Tests nicht immer die tatsächlichen Umstände reflektieren. Die Society of Motor Manufacturers, ein Automobilverband aus dem Vereinigten Königreich, kritisierte jedoch die Analyse: Die Daten stammten von einem Test, der bereits zwei Jahre alt sei. “Phevs bieten eine Flexibilität, mit der nur wenige Technologien mithalten können”, sagte Geschäftsführer Mike Hawes gegenüber der britischen BBC und nannte als Beispiele, dass die Modelle außerorts längere Reisen ermöglichen und innerorts eine höhere Batterieleistung aufweisen. Außerdem reduzierten Plug-in-Hybride CO₂-Emissionen und verbesserten die Luftqualität in der Innenstadt.

Von Ben Kendal/RND