Samstag , 24. Oktober 2020
Die Aufsichtsstelle Apas gerät im Wirecard-Skandal unter Beschuss. Die Prüfungsgesellschaft EY soll bereits im Februar 2019 vor Unregelmäßigkeiten bei dem Unternehmen gewarnt haben. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Wirtschaftsprüferaufsicht wohl schon Anfang 2019 von EY wegen Wirecard gewarnt

Apas hätte die Meldung aber für ein regionales Problem gehalten, heißt es in einem Bericht.

Berlin. Im Wirecard-Skandal könnte der Druck auf die unabhängige Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas wachsen. Wie die“Berliner Zeitung” am Freitag berichtete, ist in einer nicht öffentlichen Sitzung des Bundestags-Finanzausschusses bekanntgeworden, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY bereits am 13. Februar 2019 eine Warnung bezüglich erheblicher Unregelmäßigkeiten bei Wirecard an die Apas ausgegeben habe. FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar bestätigte der Zeitung: “Die Apas hat bestätigt, dass EY im Hinblick auf die Bilanz 2018 auf unerklärliche Vorfälle bei Wirecard in Singapur hingewiesen hat. Die Apas ist aber nicht gegen EY vorgegangen, weil sie die Meldung für ein regionales Problem gehalten hat.”

“Meldungen erfolgen eher selten und sind sicher keine Routine”

Außerdem habe Wirecard damals selbst eine Untersuchung eingeleitet, daher habe die Apas keine Notwendigkeit mehr gesehen, der Sache nachzugehen. Toncar sagte der Zeitung weiter: “Das ist durchaus auffällig, denn solche Meldungen erfolgen eher selten und sind sicher keine Routine.”

Die Apas prüft die Einhaltung berufsrechtlicher Pflichten von Abschlussprüfern bei Unternehmen von öffentlichem Interesse – dazu gehört auch die Wirecard AG. Der inzwischen aus dem Dax geflogene Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. EY steht in der Kritik, weil das Unternehmen die Jahresbilanzen bei Wirecard seit 2009 geprüft und testiert hatte.

RND/dpa