Donnerstag , 29. Oktober 2020
Dicke Luft: Weltweit sagen Regierungen dem Verbrenner den Kampf an – zumindest in den nächsten Jahren (Symbolbild). Quelle: imago images/Shotshop

Nach Kalifornien-Entscheidung: Wo Benzin- und Dieselfahrzeuge ebenfalls vor dem Aus stehen

Hannover. Kalifornien macht Ernst: In dem US-Bundesstaat dürfen ab dem Jahr 2035 keine neuen Benzin- und Dieselfahrzeuge mehr verkauft werden. Als Begründung führte Gouverneur Gavin Newsom unter anderem die verheerenden Waldbrände an der Westküste an. “Rekordhitzewellen. Rekordwaldbrände. Der Klimawandel ist real. Es ist jetzt Zeit, zu handeln. Ab 2035 wird jedes verkaufte Auto in Kalifornien emissionsfrei sein”, schrieb der Demokraten-Politiker auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Das Verbot in Kalifornien gilt für Autos und Lastwagen. Gebrauchtwagen dürfen allerdings weiterhin fahren – und auch den Besitzer wechseln. Mit 11 Prozent aller landesweit verkauften Fahrzeuge ist Kalifornien der größte Automarkt in den USA.

Klimawandel besiegelt Verbrenneraus

Die Ankündigung aus Kalifornien fällt in eine Zeit, in der die Autobranche ohnehin vor einem großen Umbruch steht. Nicht ganz freiwillig allerdings, denn der Verbrenner, ehemals Cashcow der Industrie, ist durch den Klimawandel weltweit unter Druck geraten. Forscher sehen auch die heftigen Brände in Kalifornien als eine Folge der Erderwärmung. Und unzweifelhaft ist: Autos tragen zum Klimawandel bei.

Immer mehr Länder planen daher inzwischen das Aus für Benzin- und Dieselfahrzeuge. International gibt Norwegen das Tempo vor: Schon ab 2025 soll dort kein Auto mit fossilem Antrieb mehr zugelassen werden. Die konservative Regierung setzt dabei allerdings auf Anreize, nicht auf Verbote. So werden Elektroautos massiv steuerlich gefördert. Ein Verbrenner lohnt sich somit schon finanziell nicht mehr.

In Island, Israel, Schweden, den Niederlanden und Slowenien ist ab 2030 Schluss mit Ruß, Feinstaub und Abgasen bei Autos – zumindest bei Neuzulassungen. Schottland folgt zwei Jahre später. Erst vor drei Jahren hatte auch die britische Regierung ein Verbrennerverbot beschlossen. Das sollte, wie in Frankreich, ab dem Jahr 2040 gelten. Allerdings berichten verschiedene Medien auf der Insel inzwischen, dass es in der Regierung von Premierminister Boris Johnson konkrete Bestrebungen gibt, die Frist um zehn Jahre vorzuziehen. Damit wäre auch in Großbritannien im Jahr 2030 das Aus für Benzin- und Diesel-Neufahrzeuge besiegelt. Selbst das Schwellenland China peilt als Ausstiegsdatum inzwischen 2030 an.

Ende für Diesel und Benziner: Bundesregierung vermeidet Datum

Und Deutschland? Bisher verzichtet die Bundesregierung auf ein konkretes Datum. Im Klimaschutzplan 2050 heißt es lediglich, dass der Verkehrssektor im Jahr 2050 treibhausgasneutral sein soll. Den Grünen ist das zu unambitioniert: Die Ökopartei fordert auch hierzulande ein Verbot der Verbrenner, spätestens ab 2030 sollen nach dem Willen der Grünen nur noch Autos mit alternativen Antrieben wie Elektro oder Wasserstoff zugelassen werden.

Dass die Diskussion um Fahrverbote für Verbrenner auch in Deutschland schon bald Fahrt aufnehmen könnte, legt eine Analyse von PwC Strategy & nahe. Mit der zunehmenden Verbreitung von E-Autos dürften die Nachteile von Diesel und Benziner – nämlich Lärmbelästigung und Feinstaub – immer offensichtlicher werden, heißt es darin. “Diskussionen über ein perspektivisches Fahrverbot von Verbrennern in Innenstädten halten wir in fünf Jahren für möglich bis wahrscheinlich”, sagte Marktexperte Jörn Neuhausen.

RND/fh