In Gold zu investieren ist nicht unbedingt eine sichere Bank. Quelle: imago images/Ralph Peters

Goldpreis fällt: Nicht alles, was glänzt, lohnt sich auch

Abseits der Schmuckindustrie ist Gold ziemlich nutzlos – es sei denn, es geht um eine sichere Geldanlage. Dann scheinen Anleger dem Edelmetall bis heute zu vertrauen, wie sich zuletzt während der Corona-Krise gezeigt hat: Kaum sanken die Börsenkurse angesichts vermehrter Lockdowns, schon schoss der Goldpreis in die Höhe. Die Nachfrage sei deutlich gestiegen, frohlockte schon Anfang März Thorsten Polleit, Chefvolkswirt des Goldhändlers Degussa, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Doch auch wenn es sich vielleicht wohlig anfühlt, statt irgendwelcher Ziffern auf dem Konto einen echten Goldbarren zu besitzen: Die Anlageform lohnt sich längst nicht immer.

Das dürfte Anlegern in dieser Woche schmerzlich bewusst geworden sein. Gold hat zuletzt innerhalb einer Woche knapp 100 Dollar je Feinunze an Wert verloren, ging von 1950 Dollar auf gut 1850 Dollar runter. Damit ist das Edelmetall zwar immer noch gut 20 Prozent wertvoller als vor einem Jahr – aber eben weit vom 2035-Dollar-Rekord Ende Juli entfernt. Beim kleinen Bruder, dem Silber, sieht es noch schlimmer aus, 14 Prozent Wertverlust binnen Wochenfrist.

Herbstblues oder dauerhafter Wertverfall?

Längst ist unter Analysten die Rede vom Herbstblues bei den Edelmetallen. Über die Gründe könne man nur spekulieren, heißt es bei der Commerzbank, deren Analysten die aktuelle Schwäche nur für eine “kurze Episode” halten. Abwegig ist das auf kurze Sicht nicht. Schließlich marodiert das Coronavirus immer noch durch die Weltwirtschaft und sorgt für allerlei Unwägbarkeiten, die einen sicheren Hafen für Anleger attraktiv machen.

Streng genommen ist Gold allerdings keine besonders gute Anlageform: Auf lange Sicht werfen Aktien und Fonds meist höhere Renditen ab, gelegentliche Wirtschaftskrisen eingerechnet. “Wir raten lieber zu einem Mix aus risikoarmen Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld und als zweites Element, für die Rendite, günstige weltweite Aktien-ETFs”, sagt deshalb Hendrik Buhr, Geldanlageexperte bei Finanztip.de.

Wie krisenfest ist Gold?

Auch um die vermeintliche Krisenfestigkeit von Edelmetallen ist es womöglich schlechter bestellt, als viele Anleger denken. Denn folgt man neuen Forschungen, bleibt das Edelmetall vor allem deshalb wertstabil, weil in Krisen reihenweise Anleger aus Angst vor Inflation in Gold flüchten. Der Herdentrieb sorgt dann durchaus für zeitweise stabile oder sogar steigende Goldpreise, wie die Ökonomen um Campbell Harvey von der Duke University in North Carolina bestätigen.

Doch sobald die Krise abklingt, droht den Wissenschaftlern zufolge das böse Erwachen: “Die Erwartung, dass eine deutliche Inflation bevorsteht, hat sich im Nachhinein stets als falsch erwiesen”, betonen sie mit Blick auf vorherige Wirtschaftskrisen. Denen sei stets ein realer Preisverfall beim Gold gefolgt. Ob das nun auch droht, wollen die Ökonomen indes nicht prognostizieren, weil mittlerweile Finanzprodukte wie manche ETFs ebenfalls Gold beinhalten und so die Preise verzerren.

Was Anleger trotz solcher Risiken zum Goldkauf verleiten könnte, ist die Hoffnung, dass das Edelmetall nicht nur Krisen, sondern auch handfeste Crashs übersteht. Im modernen Finanzsystem, wie es seit den 1970er-Jahren besteht, musste Gold das bislang nicht unter Beweis stellen. Und geht die Wirtschaft wirklich komplett den Bach runter, könnten sich Konservendosen oder Ackerland als nützlicher als ein glänzender Barren entpuppen.

 

Von Christoph Höland/RND