Mittwoch , 28. Oktober 2020
Designer Wolfgang Joop verkauft jetzt Heimtextilien bei Lidl. Quelle: Lidl

Wolfgang Joop bei Lidl: Wie nachhaltig ist die Living-Kollektion wirklich?

Neckarsulm. “Als erschwinglichen Luxus bei Lidl” bewirbt die Discounter-Kette Handtücher, Bettwäsche und Bademäntel, entworfen von Wolfgang Joop. Gemeinsam mit dem im Februar vergangenen Jahres verstorbenen Karl Lagerfeld und Jil Sander gilt der 75-Jährige als erfolgreichster deutscher Modedesigner. “Luxus muss nicht nur für eine kleine Auswahl an Kunden zugänglich sein. Jeder sollte ein kleines bisschen davon in seinem eigenen Zuhause haben”, lässt sich Joop in einer Pressemitteilung von Lidl zitieren. In der Vergangenheit hatte die Discounterkette unter anderem bereits Kleidung in Kooperation mit Model Heidi Klum auf den Markt gebracht. Aldi Süd arbeitete modisch bereits mit dem deutschen Youtuber Julien Bam und Hollywood-Star Halle Berry zusammen.

Zur Lidl-Low-Budget-Kollektion von Wolfgang Joop gehören insgesamt zwölf Teile. Ein exklusives Designerstück lässt sich schon für 5,81 Euro erwerben. Wer diese Summe investiert, besitzt anschließend ein Gästehandtuch aus hundert Prozent Baumwolle, Lidl bewirbt es als “weich und voluminös”. Am teuersten mit einem Preis von 29,09 Euro ist der Bademantel, je zur Hälfte aus Baumwolle und Polyester. Der Preis erklärt sich also wohl nicht durch die verwendeten Materialien, aber vielleicht durch die “hochwertige Logostickerei”, auf die Lidl hinweist.

Echte Schnäppchen?

Auf jeden Fall scheinen alle Teile des joopschen Angebots bei Lidl echte Schnapper zu sein. Denn, so informiert das Unternehmen auf seiner Webseite, die unverbindliche Preisempfehlung für den Bademantel liege bei 89,95 Euro. Das mache zwischen 57 und 67 Prozent Ersparnis, rechnet der Konzern den Käufern vor. Da es sich um eine Exklusiv-Kollektion handelt, ist allerdings fraglich, inwieweit der hohe Referenzpreis nicht einfach nur der Fantasie findiger Marketing-Menschen entsprungen ist. Zum Vergleich: Bademäntel von “Joop!”, der eigenen Marke des Modedesigners, kosten zwischen 109,90 und 119,90 Euro.

Königsblau, ein beeriges Pink und Grau sind die Farben, in der die Haushalts-Textilien der Discounter-Design-Kollektion erstrahlen. Neben Bettwäsche und Bademantel zählen dazu auch Handtücher, Badematten und eine Sofadecke, auf der riesengroß das Logo “Looks by Wolfgang Joop” prangt – so verstehen auch nicht ganz so designaffine Gäste sofort, dass der Besitzer dieser Jaquard-Wohndecke einen exklusiven Geschmack hat. Mit einem Anteil von immerhin 58 Prozent Baumwolle (und 35 Prozent Polyacryl sowie sieben Prozent Polyester) dürfte sich das edle Stück weniger elektrisch aufladen als Fleece-Decken aus dem Möbeldiscounter.

Im Webshop fehlten Angaben zu einigen Labels

Aber nicht nur mit der Starpower von Designer-Ikone Joop bewirbt Lidl die neue Kollektion. Auch damit, dass die Teile besonders nachhaltig seien. Denn alle trügen entweder das Label “Made in Green by Oeko-Tex” oder den “Global Recycled Standard”. Allerdings: Wer sich am Montag durch die einzelnen Produkte im Online-Shop klickte, sah, dass bei den Handtüchern und Spannbettlaken kein Nachhaltigkeits-Label angegeben war. Wie die Pressestelle der Discounter-Kette auf Nachfrage mitteilte, handelte es sich dabei aber nur um ein Versehen: Alle Produkte seien mit mindestens einem der Öko-Label gekennzeichnet.

Und wie nachhaltig sind die beiden Öko-Label? Mit “Made in green by Oeko-Tex” können Textilien aller Art zertifiziert werden. Produkte, die dieses Label tragen, wurden auf Schadstoffe getestet sowie unter sozialverträglichen Arbeitsbedingungen in umweltfreundlichen Betrieben produziert. Außerdem trägt jedes Produkt eine Nummer, mittels der jeder online den Produktionsweg auf www.oeko-tex.com nachverfolgen kann. Mit “Made in green by Oeko-Tex” sind in Joops-Lidl-Kollektion die Bettwäsche, das Spannbettlaken in mittlerer Größe, die Kissenbezüge, die Wohndecke und die Bademäntel ausgezeichnet.

Polyester ist nicht nachhaltig

Mit dem “Global Recycled Standard”, kurz GRS, können Unternehmen genau erfassen, wie viel recyceltes Material in ihren Produkten ist und wo es wie bearbeitet wurde. Außerdem stellt es Anforderungen an die soziale Verantwortung der Unternehmen und an das Umweltmanagement. In der Lidl-Joop-Kollektion tragen lediglich die Wohndecke und der Badteppich dieses Label. Sie enthalten demnach 52 Prozent recycelte Baumwolle beziehungsweise 59 Prozent recyceltes Polyester.

Doch Kunstfasern in Textilien sind ein problematischer Stoff. Denn beim Waschen reibt sich Mikroplastik ab, informiert der Bund für Umwelt und Naturschutz auf seiner Webseite. Kläranlagen sind heutzutage noch nicht in der Lage, diese winzigen Plastikstückchen aus dem Abwasser zu filtern. Sie treiben ins Meer, Fische nehmen sie auf – und so landet das Plastik letztendlich auf unseren Esstellern. Polyester in Kleidung, ob recycelt oder nicht, kann nicht wirklich nachhaltig sein.

Was man Lidl zugute halten kann: Die Discounter-Kette macht nachhaltige Textilien dank geringer Kosten für viele Menschen erschwinglich. Mit den Anforderungen anderer Öko-Textilien halten die Teile der Design-Kollektion allerdings nicht mit – was bei diesen Preisen aber auch utopisch wäre. Wer sich eines der Low-Budget-Stücke der “Looks by Wolfgang Joop” sichern möchte, hat dazu ab Montag, 28. September, in allen rund 3200 Lidl-Filialen sowie im Online-Shop des Unternehmens die Gelegenheit. Allerdings: Schnelligkeit ist gefragt. Einige Teile wie die Bettwäsche und die Badematten waren online bereits schon kurz nach Veröffentlichung ausverkauft.

Von Sarah Franke/RND