Trumps Ansteckung wirft in einer heiklen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs viele offene Fragen bei Börsianern auf. Quelle: Arne Dedert/dpa

Dax im Minus: Trumps Corona-Infektion verunsichert Aktionäre

Am frühen Freitagmorgen war die Welt der Börsianer noch in Ordnung. Für die Aktienmärkte wurde ein einigermaßen ruhiger Handelstag mit steigenden Kursen erwartet. Als dann die Nachricht von Donald Trumps Covid-Infektion die Runde machte, gab es augenblicklich heftige Ausschläge. Der Deutsche Aktienindex (Dax) startete mit rund 12.650 Punkten, das war gut 100 Zähler unterhalb des Schlusskurses vom Donnerstag. Ein ähnliches Bild war an allen großen Börsen in Europa erkennbar.

Terminkontrakte auf den S&P-500-Index, wo die wichtigsten US-Firmen gelistet sind, gaben fast 1,5 Prozent nach. Zugleich flüchteten die Anleger in sogenannte sichere Häfen, also in Anlagen mit geringen Risiken. Die Kurse für deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren legten deutlich zu, wodurch deren Rendite auf minus 0,54 Prozent abrutschte. Das ist der niedrigste Wert seit Anfang August. Die Notierungen für Rohöl gaben deutlich nach, damit verstärkte sich ein Trend der vergangenen Tage.

Trumps Corona-Ansteckung in heikler Wahlkampfphase

Trumps Ansteckung werfe in einer heiklen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs viele offene Fragen auf, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. “Eins aber steht fest: Nach den schon ohnehin wackligen Handelstagen kommt nun ein weiterer Schwung Unsicherheit in den Markt. Und wenn die Börsen eines nicht leiden können, dann ist es Unsicherheit.”

Mit großer Spannung warteten Börsianer auf den monatlichen US-Arbeitsmarktbericht, der am frühen Nachmittag vorgelegt werden soll. Die Zahlen gelten als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Beobachter rechneten mit einer sinkenden Arbeitslosenquote.

Verstärkt wurde die Nervosität noch durch die Arbeitslosenzahlen für September. Zwar stieg die Zahl der Beschäftigten, allerdings deutlich geringer als noch im August. Das Plus lag auch unter den Erwartungen der Analysten, die die Zahlen als ein Signal für eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Erholung interpretierten. Dem Report wird große Bedeutung zugemessen, da er der letzte vor der Präsidentschaftswahl Anfang November war.

Ausverkauf an den Börsen als Szenario

Laut US-Medien vom Freitagvormittag zeigt der Präsident bislang keine Symptome. Für zahlreiche Aktien-Strategen ist klar, dass sein Krankheitsverlauf maßgeblich für die weitere Entwicklung in den kommenden Wochen bis zur Wahl sein wird: Bleibt Trump symptomfrei, werden relativ geringe Auswirkungen auf die Finanzmärkte erwartet. Es kursieren aber auch Mutmaßungen über einen Ausverkauf an den Börsen, wenn es den Präsidenten heftig erwischen sollte, da damit die Unsicherheiten weiter wachsen. Als übergewichtiger 74-Jähriger zählt er zur Hochrisikogruppe.

Für wachsende Nervosität sorgt vor allem die Art und Weise, wie die Erkrankung publik wurde. Trump hat sich offensichtlich bei seiner Beraterin Hope Hicks angesteckt. Sie soll bereits Anfang der Woche infiziert gewesen sein, dies wurde aber offenbar mehrere Tage geheim gehalten. Klar ist, dass sie in den vergangenen Tagen Kontakt zu zahlreichen Mitgliedern der Regierung hatte. Bei weiteren Erkrankungen in Trumps Umfeld könnte die Handlungsfähigkeit der Regierung massiv beeinträchtigt werden. Ist der Präsident arbeitsunfähig, würde Vize Mike Pence die Geschäfte übernehmen. Erwischt es auch ihn, müsste Nancy Pelosi ans Ruder. Die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses gilt als große Widersacherin des Präsidenten.

Steigende Corona-Infektionszahlen in den USA

Trumps positiver Covid-Test kommt zu einem Zeitpunkt mit wieder sprunghaft steigenden Infektionszahlen in den USA. In New York etwa wurde gerade die höchste Zahl neuer Fälle seit Mai gemeldet. Die Demokraten fordern neue Hilfsprogramme für Bürger und Unternehmen mit einem Volumen von 2200 Milliarden Dollar. Trumps Republikaner blockieren diesen Vorstoß.

Ein Einbruch von 10 Prozent an den US-Aktienmärkten sei wegen der gestiegenen Nervosität möglich, sagte der Aktienstratege Gary Dugan der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Zugleich werde sich das Interesse der Investoren in nächster Zeit auf die asiatischen Märkte verlagern, da dort in vielen Ländern politische Stabilität herrsche und starke Technologiefirmen sich als Anlageobjekte anböten. Sebastien Galy von der Fondsgesellschaft Nordea mutmaßt, dass Trump nun verstärkt gegen China vorgehen werde, um bei seinen Anhängern zu punkten. Der Präsident hat immer wieder die kommunistische Regierung attackiert, weil er sie für die Ausbreitung des Virus verantwortlich macht.

 

Von Frank-Thomas Wenzel/RND