Sportlicher Mild-Hybrid: Beim Range Rover Sport mit dem neuen Dieselmotor starten die Preise bei 71.452 Euro. Quelle: Jaguar Land Rover/dpa-tmn

Dieselmotoren mit Elektro-Unterstützung – Land Rover setzt auf Selbstzünder-Hybride

Kronberg. Der reine Dieselmotor ist eine aussterbende Gattung. Land Rover will dem Diesel noch eine Chance geben – als Hybrid. Daher tauscht der Autohersteller die Selbstzünder in seinen Topmodellen aus, so zum Beispiel beim Range Rover, dem Range Rover Sport und dem Range Rover Velar.

Elektro-Unterstützung soll für bessere Beschleunigung sorgen

So ganz den Umweltgedanken hinter der Elektrifizierung der Automobilindustrie scheint Land Rover jedoch nicht zu teilen. Der neue Dreiliter-Reihensechszylinder des Range Rovers macht als Mild-Hybrid zwar den ersten Schritt zur Elektrifizierung, allerdings kann der mit 48 Volt betriebene Startergenerator die Geländewagen allein nicht bewegen. Er ist dafür gedacht, den Verbrauch zu senken und das Spurtvermögen zu verbessern. Somit wird das Verhalten beim Anfahren verbessert und zugleich durch längere Start-Stopp-Phasen und mehr Bremsenergie-Rückgewinnung der Verbrauch gesenkt. Rein elektrisch würden die Modelle bestenfalls gut 60 Kilometer weit kommen.

In der Welt der Mild-Hybride zwar kein schlechter Wert, aber weit von der Reichweite reiner Stromer entfernt. Diese kommen inzwischen teils bis zu 500 km mit einer Batterieladung.

Umweltbonus gilt auch für Hybrid-Modelle, aber …

Elektroautos sind vergleichsweise teuer. Um deren Verbreitung zu fördern, werden sie von Staat und Herstellern subventioniert, um die Klimabilanz zu verbessern. Insgesamt wird der Kauf mit einer Prämie von maximal 9000 Euro gefördert, ein bis Ende 2021 erhöhter Bonus, der im Rahmen des Konjunktur-Programms wegen der Corona-Krise als sogenannte „Innovationsprämie“ verabschiedet wurde.

Käufer von Plug-In-Hybriden profitieren ebenfalls von den Zuschüssen – wenn auch nicht in vollem Rahmen. Diese sind nach Antriebsart und Listenpreis der Autos gestaffelt. Reine E-Autos bekommen eine Förderung von bis zu 9000 Euro, Plug-in-Hybride erhalten eine Förderung von bis zu 6750 Euro. Bei Hybrid-Modellen über 40.000 Euro Listenpreis sind es noch 5625 Euro. Bei Preisen jenseits der 65.000 ist mit der Förderung Schluss.

Auf der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge des BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) stehen aktuell 295 förderfähige Hybrid-Modelle. Um sich für eine Förderung zu qualifizieren, müssen sie eine elektrische Mindestreichweite von 40 Kilometern erreichen oder einen CO₂-Ausstoß von weniger als 50 g/km haben. Allerdings sind Fahrzeuge mit einem Mild-Hybrid-Antrieb – wie die Range-Rover-Modelle ihn haben – generell ausgeschlossen.

Auch einige Modelle von Land Rover sind förderfähig, jedoch nur die kleineren Varianten Discovery Sport und Range Rover Evoque.

Auch andere Marken mit Diesel-Hybriden

Auf den ersten Blick wirkt die Kombination von Dieselfahrzeug und Elektroantrieb etwas gewöhnungsbedürftig, soll sauberer Strom die als Dreckschleudern verschrienen Dieselautos doch langfristig ersetzen. Allerdings ist Land Rover nicht der einzige Autohersteller, der diese Kreuzung anbietet. Schon vor rund zehn Jahren experimentierten Autohersteller mit Diesel-Hybriden. Manche haben die Diesel-Hybride inzwischen aus ihren Produktpaletten entfernt, aber lange noch nicht alle. Mercedes Benz zum Beispiel bietet mit dem C 300 de, dem E 300 de und dem GLC 300 e ebenfalls drei Diesel-Hybride an, auch wenn die Auswahl bei Benzinern größer ist. Bei Volvo sind ebenfalls viele Modelle als Diesel-Hybrid erhältlich, allen voran die SUV-Modelle XC60 und XC90 sowie Modelle der Baureihen V90, V60 und S90.

Volvo hatte von 2012-2016 auch den V60 mit Diesel-Plug-in-Hybrid im Sortiment, der hauptsächlich in Europa angeboten wurde. Jedoch sei diese Variante der Antriebskombination außerhalb von Europa kaum gefragt. Deshalb habe sich Volvo, als relativ kleiner Hersteller, auf das aktuelle Motorenprogramm fokussiert, so ein Sprecher des Autoherstellers.

Das sind die neuen Range Rover

Angeboten wird der Motor beim Range Rover und Range Rover Sport mit jeweils drei Leistungsstufen von 183 kW/249 PS, 221 kW/300 PS oder 258 kW/350 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei bis zu 700 Nm. Im besten Fall beschleunigt der Sechszylinder die Geländewagen in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und lässt sie maximal 225 km/h erreichen. Für den Range Rover beziffern die Briten den Kraftstoffverbrauch auf 8,6 bis 9,2 Liter (225 bis 241 g/km). Für den Range Rover Sport stehen Werte zwischen 7,6 und 8,0 Liter (199 bis 210 g/km) im Datenblatt.

Für den Range Rover Sport mit dem neuen Hybrid-Motor nennt der Hersteller 71.452 Euro als Preis, für den Range Rover werden mindestens 105.375 Euro fällig.

Auch der Range Rover Velar startet fast ausschließlich als Mild- oder Plug-in-Hybrid ins neue Modelljahr. Los geht es mit einem neuen Vierzylinder-Diesel, der aus 2,0 Litern Hubraum 150 kW/204 PS schöpft und auf den Verbrauchswert von 5,3 Litern (136 g/km CO2) kommt. Zweiter Diesel ist ein Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum und 221 kW/300 PS, für den das Datenblatt 6,9 Liter (183 g/km) ausweist. Bei den Benzinern kommt der Vierzylinder, der als einziger Motor ohne Mild-Hybrid auskommen muss, auf 184 kW/250 PS (7,7 Liter; 151 g/km), der Sechszylinder erreicht 294 kW/400 PS (8,9 Liter; 202 g/km).

Als Plug-in-Hybrid kombiniert Land Rover einen 221 kW/300 PS starken Vierzylinder-Benziner mit einem 105 kW/143 PS starken Elektromotor und einem 17,1 kWh großen Akku. Zusammen 297 kW/404 PS stark, kommt dieser Velar P400e auf ein elektrische Reichweite von bestenfalls 61 Kilometern und einen Normverbrauch von 2,3 Litern (52 g/km).

Wie der Hersteller Land Rover mitteilt, ist das Luxus-SUV zu Preisen ab 58.385 Euro bestellbar. Die Auslieferung soll Anfang 2021 starten.

RND/vca/dpa