„Verbraucher verhalten sich sehr rational“: Die Auskunftei Schufa ist nicht besorgt wegen der vielen Kredite. Quelle: Schufa

Schufa – an dieser Auskunftei führt (fast) kein Vertragsabschluss vorbei

Stuttgart. Die Angebote für Verbraucherkredite sind seit Jahren vielfältig und vor allem günstig. Viele Verbraucher in Deutschland nutzen daher auch die Möglichkeit der niedrigen Zinsen um das Auto, neue Möbel, die Küche oder gar den Urlaub über einen Ratenkredit zu finanzieren oder einen bestehenden teuren Kredit umzuschulden. Das Ganze ist auch gar nicht schwer. Einfach zur Bank gehen – sei es persönlich in die Filiale oder per Internet – entsprechende Unterlagen wie Gehaltsnachweis und Personalausweis mitbringen und schon kann es eigentlich losgehen.

Keine Behörde, aber eine Monopolstellung

Eine der wichtigsten Hürden in Deutschland, um überhaupt an Geld von einem Kreditinstitut zu bekommen, ist die sogenannte Schufa-Abfrage seitens der Bank. Ohne sie geht so gut wie nichts. Die Schufa, die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, ist weder Bank noch Behörde, wie viele Verbraucher denken, sondern ein Privatunternehmen in AG-Form, das 1927 gegründet wurde und heute die größte Wirtschaftsauskunftei Deutschlands ist. Anteilseigner der Schufa sind Unternehmen aus der Finanzbranche (Kredit- und Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken) und aus dem Handel.

Die Schufa hat aber quasi schon ein Monopol inne. Denn sie verfügt über eine Milliarde Daten zu sechs Millionen Unternehmen und 67,9 Millionen natürlichen Personen. Pro Tag erteilt die Schufa durchschnittlich 460.000 Auskünfte. „Zu mehr als 90 Prozent der Personen haben wir ausschließlich positive Informationen gespeichert“, versichert aber die Schufa und verweist zudem auf die unverändert hohe Quote von 97,9 Prozent reibungslos zurückgezahlter Konsumentenkredite der bei der Schufa registrierten Personen.

Der vielbeachtete Schufa-Score

Wer also einen Kredit möchte, kommt an der Schufa nicht direkt vorbei. Vor jedem Vertragsabschluss – sei es Handy, Auto oder Küchenfinanzierung – oder einer Kreditvergabe wenden sich Unternehmen und Banken an das Unternehmen, um sich eine sogenannte Bonitätsauskunft, den Schufa-Score, über die betroffene Person einzuholen.

Der Schufa-Score gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Verbraucher einen Kredit ordnungsgemäß zurückzahlt oder ob es zu Risiken für die Bank oder das Unternehmen kommen kann. Pauschal lässt sich nur schwer sagen, was für ein Schufa-Score als „gut“ bezeichnet werden kann. Die Devise „je näher an 100 Punkte, desto besser“ trifft es aber am besten. Ein niedriger Schufa-Score ist daher nicht optimal für eine Kreditvergabe.

Den Schufa-Score kann jeder selbst beeinflussen. Am einfachsten durch ein kontinuierlich solides Zahlungsverhalten im Alltag. Das bedeutet, man sollte vermeiden, regelmäßig Rechnungen nicht pünktlich oder gar erst nach zwei Mahnungen und letzter Aufforderung zu bezahlen. Ebenso sollten Kreditraten fristgemäß abbezahlt sowie Kredit-und Dispokontenlinien nicht überzogen werden.

Vorsicht vor einem negativen Eintrag

Jeder Verbraucher sollte eines im Hinterkopf haben: Eine Bank oder ein Handelskonzern hat durchaus das Recht, das schlechte Zahlungsverhalten eines Kunden der Schufa zu melden, um andere Schufa-Partner vor der Unzuverlässigkeit des jeweiligen Kunden zu „warnen“. Das wiederum schlägt sich letztlich dann im persönlichen Score nieder.

Wer alle Zahlungsaufforderungen und Mahnungen eines Vertragspartners völlig ignoriert, muss am Ende sogar mit einem negativen Schufa-Eintrag rechnen. Bis es zu diesem aber wirklich kommt, muss sich der einzelne Verbraucher schon sehr beharrlich verweigern, seine offenen Rechnungen ausgleichen zu wollen. Zudem muss der negative Eintrag bei der Schufa seitens des Gläubigers mit einer Fristsetzung dem Verbraucher mitgeteilt werden.

Während es früher noch die allerletzte Chance gab, innerhalb von sechs Wochen nach einem negativen Schufa-Eintrag die Schulden (bei Summen bis zu 2000 Euro) zu bezahlen und damit wieder die Löschung eines negativen Eintrages rückgängig zu machen, gibt es diese Sonderregelung, die sogenannte „Kulanzlöschung“, heute nicht mehr. Laut der Schufa konnte unter der DSGVO diese Praxis nicht mehr fortgesetzt werden.

Die Schufa hat die Praxis der Kulanzlöschung zugunsten einer Einzelfallprüfung in besonderen Härtefällen umgestellt. Diese Härtefälle bzw. besonderen Umstände, die aus Sicht des Schuldners eine vorzeitige Löschung von negativen Schufa-Einträgen rechtfertigen würden, müssen der Auskunftei postalisch geschildert werden.

In allen Fällen ist es also sinnvoll, Mahnungen nicht derart auszureizen, dass es zu einem Eintrag kommt. Falls es doch einmal – aus welchen Gründen auch immer – dazu kommt, sollte man sich einzeln um Schadenbegrenzung kümmern und den Vertragspartner nach Ausgleich der ausstehenden Beträge direkt kontaktieren, um die Löschung bei der Schufa zu veranlassen und so das eigene Ranking nicht weiter zu gefährden.

Viele Informationen, aber keine Datenkrake

Auch wenn die Schufa augenscheinlich viele Daten der Verbraucher kennt – alle sind ihr nicht bekannt. Gespeichert werden der Name, Geburtsdatum (ggf. Ort), die Anschrift (eventuelle sonstige, auch frühere Anschriften) und der persönliche Schufa-Basisscore.

Darüber hinaus bekommt die Schufa aber von den Vertragspartnerunternehmen Informationen über Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Handyverträge, Versandhandelskonten, Ratenzahlungsgeschäfte sowie Kredite und Bürgschaften. Hinzu kommen Informationen zu nicht vertragsgemäßem Verhalten. Darunter versteht man einen durch eine Bank gekündigten Kredit, Zahlungsausfälle und Informationen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen.

Nimmt eine Ehepaar zusammen beispielsweise einen Kredit auf, um das gemeinsame Haus abzubezahlen, werden Daten über die Höhe des Kredits und das Fälligkeitsdatum der Zahlung von der Schufa unter beiden Personen gespeichert.

Ein alter Schufa-Mythos ist es hingegen, dass das Unternehmen Informationen zum Vermögen und Einkommen der einzelnen Verbraucher hat. Dies ist nicht der Fall. Auch zum Beruf, der Lebenseinsteinstellung (Religion, etc.), Familienstand und Nationalität hat die Schufa keine Informationen. Ebenso sammelt die Schufa auch keine Informationen über Verbraucher aus den sozialen Netzwerken.

Tipp: Die eigene Bonität überprüfen

Verbraucher müssen auch keine Angst haben, dass die Schufa-Auskunft an Vertragspartner darüber gibt, bei welcher Bank oder welchem Handelskonzern in welcher Höhe ein Verbraucher Schulden hat. Es werden keine Details genannt.

Die Schufa gibt mit ihrem Score lediglich den Vertragspartnern eine Art Einschätzung über die Bonität und das Zahlungsverhalten eines Verbrauchers ab, bzw. wie dieser nach ihrer Prognose bei einem neuen Kredit/Vertrag (un)pünktlich zahlen könnte und wie hoch der potenzielle Zahlungsausfall ist.

Verbraucher sollten die Schufa jedoch nicht nur als Auskunftsdatei für Banken ansehen. Vielmehr macht es Sinn, sich selbst in bestimmten Abständen, einmal im Jahr, über seinen eigenen Schufa-Score und die bei der Wirtschaftsauskunftei gespeicherten Daten zu informieren, auf Richtigkeit zu überprüfen sowie fehlerhafte oder veraltete Einträge auch löschen zu lassen.

Die Schufa-Selbstauskunft zeigt einem neben dem Schufa-Score unter anderem auf, wie kreditwürdig man selbst für Unternehmen aus verschiedenen Branchen (Handel, Telekom, Banken) ist. In ihr werden zudem alle Quellen genannt, aus denen die Daten der Schufa stammen. Eine Auflistung Dritter, an die die Schufa die Daten weitergeleitet hat, ist ebenfalls enthalten. Eine Überprüfung der Daten macht Sinn, denn:

Es kann durchaus passieren, dass Schufa-Partner vergessen, nicht mehr bestehende Kundenverträge (abgeschlossener Ratenkauf eines Autos, alter Handyvertrag) der Schufa zu melden, diese Verträge somit zu lange eingetragen sind und den Score unnötig belasten. Diese eigene Überprüfung geht ganz einfach unter meineschufa.de. Hier kann jeder eine sogenannte Bonitätsauskunft einholen, um sich einen Überblick über seine gesammelten Schufa-Daten zu verschaffen.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

Ein nicht so guter Schufa-Score ist aber nicht unbedingt ein Hindernis, um an einen Kredit zu kommen. Gerade Verbraucher, die mit einem neuen Kredit mit besseren Zinskonditionen einen alten bestehenden Kredit ablösen wollen, sollten bei der Beantragung als Verwendungszweck „Umschuldung“ angeben. Damit weiß der Kreditgeber, dass mit dem neuen Kredit die finanzielle Belastung des Verbrauchers nicht zusätzlich steigt und damit auch das Ausfallrisiko für die Bank geringer ist, als wenn der Kunde einen weiteren zusätzlichen Kredit abschließen würde.

Eine weitere Option für einen erfolgreichen Kreditabschlusses ist es, den Antrag zusammen mit einer zweiten Person (mit einem guten Schufa-Score) zu beantragen. Ob Ehepartner oder Freund – die zusätzliche Person wertet den Antrag auf und wird von der Bank als zusätzliche Sicherheit eingestuft.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir auf die inzwischen nicht mehr aktive Kulanzlöschung verwiesen. Wir haben dies korrigiert.

Von Christoph Scherbaum/RND