Der Discounter hat seit Mitte September seine neue Bonusprogramm-App „Lidl Plus“ am Start. Kunden sollen damit einen Rundumservice beim Einkaufen genießen. Schon bald soll ein darauf basierendes eigenes digitales Bezahlsystem folgen. Quelle: Lidl/Lidl/obs

Lidl will mit eigenem Bezahlsystem gegen Google- und Apple-Pay antreten

Der Discounter Lidl bietet seit Kurzem seine Bonusprogramm-App „Lidl-Plus“ an. Kunden des nach der Anzahl der Filialen größten Discounter-Konzerns der Welt können seit Mitte September die neue App in allen 3200 Lidl-Filialen in Deutschland nutzen. Das Angebot beinhaltet unter anderem Preisvorteile, Sofortgewinne, digitale Kassenbons und Prospekte und ein Rabatt-Punkte-System.

Damit jeder Kunde die Lidl-App unabhängig vom Netzempfang des eigenen Mobilfunkanbieters nutzen kann, ist in jeder Filiale das kostenfreie „LidlPlusWLAN“ installiert. Damit bietet das Unternehmen quasi ein „Rundumsorglos-Paket" für den Einkaufskunden an. Doch Lidl geht noch einen Schritt weiter und will perspektivisch auch ein eigenes Bezahlsystem, basierend auf der neuen Lidl-Plus-App, anbieten

Konkurrenz zu Google- und Apple Pay

Damit nimmt das Unternehmen nicht nur den Kampf im Bereich der Bonusprogramme- und Kundenkarten gegen Mitbewerber wie Rewe (mit dem Kooperationspartner Paypack) oder Edeka (mit Deutschlandcard) auf. Lidl wäre der Konkurrenz auch einen Schritt voraus, denn das Unternehmen wäre der erste Discounter, der ein eigenes Bezahlsystem anbietet.

Bisher kooperiert die Konkurrenz mit Google- und Apple-Pay sowie Alipay im Bereich der kontaktlosen Bezahlsysteme. Und da Samsung den Start von Samsung Pay angekündigt hat, dürfte auch dieses System bald an Deutschlands Supermarkt-Kassen Alltag werden. Über ein eigenes Bezahlsystem wie es Lidl plant, verfügt aber keiner.

In Spanien und Polen zahlen Kunden schon mit Lidl Plus

In Ländern wie Polen und Spanien sei es bereits heute möglich mit Lidl Plus zu zahlen, wie Dominik Eberhard, Geschäftsführer Digital bei Lidl Deutschland, gegenüber der „Wirtschaftswoche“ sagte. In den beiden Ländern können demnach Kunden ihre Kreditkartendaten in der App hinterlegen und an der Kasse entsprechend mit Smartphone bezahlen.

Für den wichtigen Heimatmarkt Deutschland, so berichtet das Magazin weiter, sei erst einmal ein Lastschrift-Verfahren geplant. Lidl hat im Geschäftsjahr 2018 einen Umsatz in Höhe von 81,2 Milliarden Euro erwirtschaftet, davon 22,7 Milliarden Euro mit Lidl Deutschland.

Trend zum kontaktlosen Bezahlen

Mit „Lidl Pay“ würde der Discounter genau zum richtigen Zeitpunk auf einen Trend setzen, der sich in diesem Jahr während der Corona-Pandemie verstärkt hat: Das Bezahlverhalten der Deutschen hat sich laut einer aktuellen GfK-Umfrage massiv verändert. Knapp zwei Drittel der Deutschen (65 Prozent) gaben jüngst demnach an, bei der Bezahlung in Geschäften weniger Bargeld zu verwenden als ein halbes Jahr zuvor.

Laut der GfK-Umfrage ist zudem die Anzahl der Deutschen, die kontaktlos zahlen in diesem Jahr auf 58 Prozent gestiegen, das sind neun Prozentpunkte mehr als 2019. Verbraucher die kontaktlos zahlen, tun dies demnach auch sehr regelmäßig: Drei Viertel zahlen mindestens einmal in der Woche kontaktlos, fast jeder Fünfte sogar mindestens einmal pro Tag.

Der Kunde wird (noch) gläserner

Das eigene Bezahlsystem dürfte Lidl langfristig große Vorteile bringen. Zum einen würde das Unternehmen Kosten sparen. Gebühren, die an einen Dienstleister für den elektronischen Zahlungsverkehr bezahlt werden müssten, fallen weg. Zum anderen bleiben wichtige Kundendaten im Unternehmen und müssen nicht an einen Kooperationspartner weitergegeben werden.

Für Kunden, die das neue Lidl-App und auch das künftige Bezahlsystem des Discounter benutzen heißt dies wiederum, dass sie einmal mehr eine für den Discounter wichtige Datenspur hinterlassen. Schon seit das Rabattgesetz 2001 gefallen ist, boomen in Deutschland Kundenkarten und Bonusprogramme. Alle haben nur einen Zweck:

Den Kunden an das jeweilige Partnerunternehmen zu binden bzw. neue Kunden zu gewinnen und darüber hinaus Marktforschung zu betreiben und mehr Umsatz zu erzielen. Kunden sollten sich bewusst sein, das die Benutzung jeder (neuen) Kundenkarte, App oder Bezahlsystem eines aus ihnen macht: Sie werden noch gläserner.

 

Von Christoph Scherbaum/RND