Die gesenkten Mehrwertsteuersätze von 16 bzw. 5 Prozent werden auf dem Einkaufsbeleg aus einem Supermarkt. Quelle: Christoph Soeder/dpa

Corona und die Wirtschaft – das dicke Ende kommt erst noch

Berlin. Derzeit schaut die Nation jeden Morgen auf die erschreckend hohen Infektionszahlen. Dabei ist ein Aspekt dieser Pandemie aus dem Fokus geraten: Was passiert mit der Wirtschaft, was mit den Staatsfinanzen, wenn die zweite Welle sogar noch stärker wird als die erste?

Das Konjunkturprogramm aus dem Sommer, die Planungen für die Haushalte, die Wirtschaftsprognosen – sie alle basieren zwar auf der Annahme, dass die Pandemie erst durch einen einem Impfstoff ab Mitte kommenden Jahres beendet werden kann. Allerdings ist man überall davon ausgegangen, dass sich das öffentliche und wirtschaftliche Leben immer weiter stabilisiert, weil das Virus mehr oder weniger in Schach gehalten werden kann.

Doch genau danach sieht es jetzt nicht mehr aus.

Reserven gehen zur Neige

Es ist zwar die erklärte Absicht der Regierungen von Bund und Ländern, dass es nicht zu einem zweiten allgemeinen Lockdown kommt. Doch es wäre eine Illusion zu glauben, dass sich die Wirtschaft jetzt weiter erholen kann, im Gegenteil: Die Reisebranche ist schon wieder lahmgelegt, Restaurants müssen Sperrstunden einhalten und zum ausgiebigen Shoppen mit Maske haben die Menschen erkennbar auch keine Lust. Dazu kommt, dass die Reserven der krisengeschüttelten Unternehmen langsam aber sicher zur Neige gehen. Das dicke Ende kommt erst noch.

Jetzt zeigt sich auch, dass sich die Regierung mit der Senkung der Mehrwertsteuer ein brandgefährliches Ei ins Nest gelegt hat. Als man diese Maßnahme im Frühsommer beschlossen hatte, glaubte man, der Wirtschaftseinbruch sei Ende Dezember weitgehend überwunden.

Doch nun droht ein Szenario, bei dem das Auslaufen der Absenkung – in den Augen der Verbraucher eine Steuererhöhung – mitten in eine möglicherweise noch tiefere Krise fällt.

Das kann nicht gut gehen, weil es den Abschwung noch verstärken würde. Die Regierung wird also verschärft darüber nachdenken müssen, die Mehrwertsteuersenkung doch zu verlängern.

Von Tim Szent-Ivanyi/RND